14. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A), 6. Juli 2008
Kommt alle zu mir
Ausgabe: 2008/29, Sonntag, Evangelium, Lesung, Lesungen, Wort zum Sonntag
16.07.2008
Süß wie Honig sind deine Worte, heißt es im Ersten Testament über Gottes Worte an die Menschen. Wie Balsam auf der Seele wirkt Jesu Botschaft aus dem Evangelium: „Ihr alle, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt“, kommt zu Jesus. Lernt von ihm, der „gütig und von Herzen demütig“ ist, und „ihr werdet Ruhe finden für eure Seele“.
Evangelium, Mt 11, 25–30
In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.
1. Lesung, Sach 9, 9–10
Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin. Ich vernichte die Streitwagen aus Efraim und die Rosse aus Jerusalem, vernichtet wird der Kriegsbogen. Er verkündet für die Völker den Frieden; seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer und vom Euphrat bis an die Enden der Erde.
2. Lesung, Röm 8, 9. 11–13
Ihr aber seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt, da ja der Geist Gottes in euch wohnt. Wer den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm. [. . .] Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt. Wir sind also nicht dem Fleisch verpflichtet, so dass wir nach dem Fleisch leben müssten. Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die (sündigen) Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben.
Wort zum Sonntag
Glauben können ist geschenkt
Warum glaube ich an Jesus und richte mein Leben an ihm aus und warum ist es so, dass andere das nicht tun? Weshalb wird die heutige Welt immer Gottes-ferner? Der Evangeliumstext verrät, dass die ersten Christ/innen oder vielleicht sogar Jesus selbst mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten. Jesus ist mit seiner Mission an Israel gescheitert. Die religiösen Führer des Judentums seiner Zeit waren seine erbitterten Feinde und haben es schließlich auch geschafft, ihn mit der Hilfe der römischen Landesherren zu eliminieren. Aber auch in den ganz normalen Landgemeinden hatte er mit seiner Botschaft keinen Erfolg. Die Passage kurz vor dem Sonntagsevangelium deutet darauf hin. Da verflucht Jesus drei Gemeinden am See Genezareth, in denen er immer wieder gewirkt hat. Er wirft ihnen vor, dass sie überhaupt nicht begriffen hätten, was da durch ihn und sein Wirken eigentlich passiert und dass sie sich geweigert hätten, die Konsequenzen daraus zu ziehen.
Die ersten beiden Sprüche aus dem vorliegenden Sonntagsevangelium heben diese Tatsache auf eine noch allgemeinere Ebene. Niemandem ist es gegeben, den Vater zu erkennen außer dem Sohn. Aus sich zur Wirklichkeit Gottes und seines Sohnes zu kommen, ist unmöglich. Der einzige Weg der Erkenntnis ist eine „Offenbarung“.
Niemand kommt also zum Vater und zum Sohn, ohne dass es ihm oder ihr „offenbart“ worden wäre. Das ist eine sehr spannende Aussage, weil sich daraus ja die Frage ergeben könnte, welche Botschaft Jesu sich im in der sogenannten Erosion der Kirchen stecken könnte.
Zum Weiterdenken
Das Evangelium spricht davon, dass Jesus selbst den Zugang zu ihm und seinem Vater offenbart. Welche Aufgaben ergeben sich daraus für mich persönlich in meinem Umfeld, meiner Familie, meinem Berufsumfeld? Was bedeutet es für die Art, in der ich mein persönliches und gesellschaftliches Umfeld wahrnehme?
Hans A. Rapp, Leiter des Katholischen Bildungswerkes Vorarlberg.