Vor dem „Jugendsonntag“ wendet sich die Katholische Jugend an die künftige Regierung
Ausgabe: 2008/47, Jugend, Jugendliche, Politiker, Jugendsonntag, Schöttl, KJ, Regierung
19.11.2008
- Matthäus Fellinger
Am kommenden Sonntag ist Jugendsonntag. In vielen Pfarren wird er als solcher gefeiert. Doch die Katholische Jugend Österreichs fürchtet, dass die Jugendlichen ansonsten nicht gerade im Mittelpunkt der Interessen stehen. Vergesst die Jugendlichen nicht, appellieren sie an die künftige Regierung
Optimale Ausbildungsmöglichkeiten, aber auch die Beibehaltung des Religionsunterrichtes fordert die Katholische Jugend in ihrer Wunschliste an die künftige Regierung. Die größte Jugendorganisation Österreichs macht aufmerksam, dass in einer wirtschaftlich schwierigen Phase nun weniger Lehrstellen angeboten werden. Deshalb sollte für Lehrlinge wieder der Kündigungsschutz eingeführt werden. Für Jugendliche, die freiwillige Einsätze leisten, sollte es endlich die Familienbeihilfe geben. Doch die Jugend will nicht nur für sich selber etwas haben. Mehr als bisher sollte die Regierung die Entwicklungszusammenarbeit und den fairen Handel fördern und dabei selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Für den Jugendsonntag in Oberösterreich hat sich das Dekanat Gaspoltshofen besonders engagiert.
Brigitte hat den schönsten Job! Am 23. November ist Christkönig. In knapp der Hälfte der Pfarren wird er als „Jugendsonntag“ gefeiert. Jugendliche aus dem Dekanat Gaspoltshofen haben gemeinsam mit der Katholischen Jugend Oberösterreich die Feier-Unterlagen für diesen Tag gestaltet.
Nieselregen macht den ohnehin trüben Spätnachmittag noch dunkler. Aber oben im ersten Stock brennt Licht im Pfarrhof von Kematen am Innbach. Am Boden sind die Kartons mit den Getränken abgestellt. Für den Samstag stehen sie bereit. Da kommen die jungen Leute des neuen Jahrgangs. Sie werden die Katholische Jugend von Kematen am Innbach verstärken.
Ein Neuanfang. „Es war schon fast alles ausgestorben bei uns“, erzählt Elisabeth Kaltseis. „Aber wir waren ein starker Jahrgang, und mit uns hat es wieder angefangen.“ 18 ist Elisabeth jetzt, und sie zählt zum aktiven Kern nicht nur in der eigenen Pfarre. Sie engagiert sich auch im Dekanat für Jugend und Kirche. „Wir könnten immer noch mehr tun – und der Pfarrer erwartet eigentlich mehr von uns“, meint sie, „aber es liegt halt auch an der Zeit.“ Wenn Elisabeth von ihren Erlebnissen bei der Katholischen Jugend erzählt, ist nichts vom trüben Nieselgrau des Abends zu merken. „Mir ist das einfach lustig“, sagt sie. Sie organisiert gern – und redet auch darüber. Auch am Arbeitsplatz, wo sie gerade die Lehre macht.Für den heurigen Jugendsonntag haben die Jugendlichen des Dekanates Gaspoltshofen das Thema ausgesucht, und sie haben ein ganzes Paket mit Feiervorschlägen und Texten geschnürt.
Eine Frau für junge Menschen. Brigitte Muckenhuber ist von Beruf Jugendleiterin im Dekanat. „Brigitte hat den schönsten Job“ meint Elisabeth – und möchte selbst nach der Lehre die Jugendleiter/innen-Ausbildung beginnen. Brigitte lebt und arbeitet mit den Jugendlichen im Dekanat und setzt sich für sie ein. Auch im zehnten Jahr ist sie keineswegs „jugendmüde“. Gelegentlich muss man sich in den Pfarren für die Jugendlichen auch stark machen. Die Leute bemerken oft nur das Fehlen der Jugendlichen, etwa bei den Messen. Was sie aber trotzdem positiv tun, wie sie leben, das bleibt unbemerkt. Es gibt kaum Jugendliche, stellte Muckenhuber fest, die an Religiösem gänzlich uninteressiert sind. „Sei net zwida, lach mal wieder“ heißt das Thema des Gottesdienstes. Im Vorjahr haben die Jugendlichen des Dekanates diesen Gottesdienst gefeiert. „Auch meiner Oma hat es gefallen“, erzählt Elisabeth. „Man muss sich etwas trauen, dann lassen sich sogar eher konservativere Leute ansprechen“, meint sie.
„Lach mal wieder.“ Das Thema des Jugendsonntags hat einen ernsten Hintergrund. Es gab mehrere Jugendliche, die in der Region bei Unfällen verunglückt sind. Eine getrübte, fast depressive Stimmung war überall bei den jungen Leuten zu bemerken. So aus dem Herzen lustig sein, das war auf einmal weg. Und wo von Jugendlichen in Medien die Rede war, geschah dies auch immer unter negativen Vorzeichen. Koma-Saufen, Gewalt. Das wurde mit „jung“ gleichgesetzt. Das war das „Jugendbild“ – und es tat den jungen Menschen weh, sie fühlten sich unverstanden. Darf man sich eigentlich noch freuen, darf man noch ungezwungen lustig sein, fragten sie sich, wenn sie zusammenkamen. Ja, man darf! „Lach mal wieder.“ Das ist sogar im Sinn des Evangeliums, das Frohbotschaft sein will. Am letzten Sonntag im Kirchenjahr wird diese Botschaft vom Dekanat Gaspoltshofen aus in in die Pfarren hinausgetragen.
Christkönig und die Jugend
Stefan Schöttl ist bei der Katholischen Jugend für den „Jugendsonntag“ verantwortlich. Ihm ist auch die politische Bedeutung dieses Festes wichtig, denn in der nationalsozialistischen Ära wurde das Christkönigsfest als Art stiller Protest gefeiert. Wir haben nur einen König, und das ist Christus, wurde unter großer Teilnahme der Jugendlichen gegen die totalitäre Hitler-Ideologie deutlich gemacht. Das gilt bis heute, wenn auch die „totalitären Mächte“ anders aussehen. Konsumideologie und Erfolgszwang etwa. „Nicht nur das Schneller, Höher und Stärker zählt, sondern der Gekreuzigte, der für andere gestorben ist, steht in der Mitte“, meint Schöttl. Jugendliche haben ein stark sozial ausgeprägtes Gewissen“, stellt er fest. Freundschaft, Arbeit und Gerechtigkeit wären Jugendlichen besonders wichtig. Für die Wahl des Jugendsonntags-Themas schreibt die Katholische Jugend OÖ jedes Jahr einen Wettbewerb aus. Unter dem Titel „bestimme & gewinne“ können Jugendliche ihren Feiervorschlag einreichen. Der Jugendsonntags-Gottesdienst soll auch beitragen, dass jugendgemäße Gottesdienste in den Pfarren vermehrt gefeiert werden. Jugendliche kommen, wenn die „Passform“ stimmt, und wenn sie im Gottesdienst Jugendlichkeit erleben, meint Schöttl, und fügt hinzu: „Für junge Leute muss sich etwas rühren in der Kirche – sonst sind sie weg.“