Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Mit diesen Worten wurde uns bei unserer Taufe ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Mit Advent 2008 ist ein erneuerter Taufritus in Kraft getreten. Gerade im Advent vermag uns die Besinnung auf unsere Taufe vieles zu sagen.
Die Taufe steht am Anfang einer neuen, faszinierenden Lebensperspektive. Eine Tür wurde uns aufgemacht, die uns das Leben in seiner ganzen Tiefe eröffnet. Und auch der Advent steht für einen Anfang: Die Glaubensgeschichte des Volkes Gottes verdichtet sich in der Menschwerdung des Sohnes Gottes. Und diese Geschichte fängt klein an: in einem Ja der Gottesmutter Maria auf die Verheißung des Engels, schließlich in der Geburt des Erlösers zu Bethlehem.
Beim Nächsten stehenbleiben. Im Advent möchte ich deshalb einladen: Lassen wir uns ein auf den schon mit der Taufe beschrittenen Weg der Christusnachfolge. Aufgrund der Taufe können wir anders denken und handeln, als es sonst im Alltagsleben üblich ist. Wo Hoffnungslosigkeit drückt, können wir vertrauen. Die auf Christus Getauften leben in der Zuversicht, dass nichts umsonst ist, was aus Liebe geschieht. Diese Zuversicht macht uns innerlich frei, frei für uns selbst und vor allem für unsere Nächsten. Wir brauchen nicht allem nachzujagen, was es in Kaufhäusern zu erwerben gibt oder was uns gesellschaftlich Ansehen verschafft. Wir versäumen nicht das Leben, wenn wir bei einem, der uns braucht, stehen bleiben, um für ihn da zu sein.
Tauet, Himmel. Ich möchte Sie einladen: Denken wir nach, welche Kraft wir aus unserer Taufe – aus der Tatsache, dass wir zu Christus gehören – schöpfen können. In der Tat beginnen festgefügte Ordnungen, unverrückbar scheinende Mächte aufzubrechen. So singen wir im Adventlied: „Tauet, Himmel, den Gerechten, Wolken, regnet ihn herab.“ Unser Lebensalltag, unser Zusammenleben, die politischen Verhältnisse, auch unsere kirchlichen Gemeinschaften, sind von Veränderung betroffen. Schmerzhaft sind sie oft, sie eröffnen aber auch den Weg in die Zukunft. In den vielen Unsicherheiten, was anders wird, kann uns die Besinnung auf unsere eigene Taufe helfen, denn Getaufte leben nicht nur für sich selbst, sie sind in eine Gemeinschaft hineingestellt. In ihr, für sie, aus ihr heraus leben sie. Aus dieser Quelle – die Christus selber ist – schöpfen sie Kraft.
Aufmerksam für die Kleinsten. Jedes Jahr neu öffnet uns der Advent die Augen für das zunächst unscheinbare und unspektakuläre Kommen Gottes. Als Kind wurde er geboren. Deshalb sollen wir aufmerksam werden für die Kleinsten, die Geringsten unter den Menschen.
Ein persönlicher Neuanfang. Ich lade Sie ein, den Advent bewusst zu gestalten und mitzufeiern – bei den Sonntagsgottesdiensten, zu Hause mit Ihren Angehörigen, in adventlichen Bräuchen wie dem Herbergsuchen. Geben Sie sich aber auch in Ihrem Alltag als ein Christ oder als eine Christin zu erkennen. Die Glaubensbotschaft bedeutet uns etwas – für diese Botschaft treten wir ein. Nutzen Sie diese geistliche Zeit für einen Neuanfang, wenn die Gabe des Glaubens zugeschüttet ist. Es ist nie zu spät für einen Anfang, vielleicht sogar im Empfang des Bußsakraments. Die vorweihnachtliche Zeit soll nicht nur in Festbeleuchtungen auf den Straßen oder durch Lichtgirlanden in privaten Gärten etwas Besonderes sein. Der Glaube selbst, das Herz soll zum Leuchten kommen.
Die Heiligen des Advents. Wozu Glaube befähigt, zeigen uns die Heiligen gleich am Beginn des Advents: Barbara, an die sich Menschen in gefährlichen Berufen – Industrie und Bergarbeiter – wenden. Nikolaus, der für die Solidarität mit den Hungernden steht. Maria, die mit ihrem Ja das Kommen Gottes möglich machte. Johannes der Täufer, der uns in den Lesungen des Advents begegnet. Wir haben die Möglichkeit, mit unserem eigenen Leben eine neue Geschichte des Glaubens hinzuzufügen, wenn wir unserer Tauf-Berufung folgen. Bezeugen wir das, was wir mit dem Kreuz bezeichnen. Seien wir selbst ein Zeichen der christlichen Hoffnung.