Die Österreichische Bischofskonferenz tagt seit 7. November 2016 in Eisenstadt im Zeichen der Reformation. Kardinal Christoph Schönborn und der lutherische Bischof Michael Bünker präsentierten eine gemeinsame Erklärung zu „500 Jahre Reformation“.
Ausgabe: 2016/45
09.11.2016
- kathpress
Ein gemeinsames Zeichen gelebter Ökumene setzte die Österreichische Bischofskonferenz bei ihrer Herbstvollversammlung in Eisenstadt: Erstmals fand aus Anlass des nächstjährigen Reformationsjubiläums ein gemeinsamer Gottesdienst der Bischöfe mit Spitzen der lutherischen, reformierten und methodistischen Kirche statt und es wird auch einen gemeinsamen Studientag geben. Die Vollversammlung des Episkopats unter dem Vorsitz von Kardinal Christoph Schönborn begann am 7. November im Haus der Begegnung in Eisenstadt. Sie endet mit einem Festgotttesdienst zum Abschluss des Jubiläumsjahres „1700 Jahre hl. Martin“ am 11. November im Martinsdom, den die Bischöfe mit dem ungarischen Primas, Kardinal Peter Erdö, feiern werden.
Bedauern über das Unrecht
Bei einer Pressekonferenz am Dienstag präsentierten Kardinal Schönborn und der lutherische Bischof Michael Bünker eine gemeinsame katholisch-evangelische Erklärung mit dem Titel „500 Jahre Reformation – Vom Gegeneinander zum Miteinander“. In dem Schreiben heißt es, die Konfessionalisierung, die mit der Reformation einsetzte, brachte es mit sich, „dass die eigene Identität als Kirche viel zu oft durch Abwertung der anderen und durch Abgrenzung von ihnen bewahrt wurde. Dies ging bis zu gegenseitiger Unterdrückung, Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung, vor allem in den Religionskriegen, die sich unauslöschlich im kollektiven Gedächtnis Europas und unserer Kirchen eingegraben haben.“ Und weiter: „Wir bedauern das Unrecht, dass wir einander getan haben. Heute nehmen wir die Verantwortung für die schuldbeladene Geschichte wahr und hören aufeinander. Wir wissen uns als Kirchen zu Umkehr und Buße gerufen und suchen nach Wegen der Versöhnung aus dem Geist des Evangeliums.“
Fortschritte auf dem Weg zueinander
Im ökumenischen Zeitalter sei 2017 das erste Reformationsjubiläum. „Auf dem Weg zueinander sind große Fortschritte gemacht worden. Dankbar blicken wir auf die Ergebnisse der zahlreichen ökumenischen Dialoge, das mittlerweile selbstverständliche Miteinander evangelischer und katholischer Christinnen und Christen in Gemeinden und Familien und auf die vielen Möglichkeiten, gemeinsam unseren christlichen Glauben zu feiern“, heißt es in der Erklärung. „Unser gemeinsamer Einsatz für den Nächsten gibt auch dem politischen Gemeinwesen Orientierung für zukünftiges Handeln. Auf diesem Weg haben wir uns mit den Kirchen der Ökumene durch die ,Charta Oecumenica‘ (2001) und das ,Ökumenische Sozialwort‘ (2003) aneinander gebunden und miteinander verbunden.“
Ökumene-Preis geplant
Die Reformation habe der Heiligen Schrift eine besondere Bedeutung zugeschrieben. „Heute halten wir dankbar gemeinsam fest: Das in der Heiligen Schrift bezeugte Wort Gottes ist die entscheidende Orientierung für das Gottes- und Menschenverständnis. Es ist die Quelle aller Wahrheit des Glaubens und Lebens in der Kirche“, so der Wortlaut des Textes. Kardinal Schönborn und Bischof Bünker gaben zudem bekannt, dass es im nächsten Jahr einen Ökumene-Preis geben wird, der von der Österreichischen Bischofskonferenz, dem Evangelischen Oberkirchenrat A. u. H. B. und der Evangelisch-methodistischen Kirche gemeinsam vergeben werden soll.
Ökumenischer Gottesdienst
Am Dienstag Abend feierten die Bischöfe mit den Repräsentanten der Evangelischen Kirche A. B. und H. B. sowie der Evangelisch-methodistischen Kirche einen ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Rust.