In den Unternehmen rollen die ersten Kündigungswellen an. Arbeitsmarktexperten erklären, was jetzt für arbeitssuchende Jugendliche getan werden muss und wozu die Wirtschaftskrise gut sein könnte.
Am Arbeitsmarkt sind die Auswirkungen der schlechten Konjunktur bereits deutlich zu spüren. Im November gab es in Oberösterreich um 8,8 Prozent mehr Arbeitslose als im November 2007. In den schwierigen Zeiten ist es besonders für Jugendliche nicht leicht, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. So stieg die Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen bis 24 Jahren im Vergleich zum Vorjahr sogar um 11,7 Prozent. Die meisten Kündigungen gibt es bei den Hilfskräften und im Produktionsbereich. „Die Jungen und weniger Qualifizierten sind am wenigsten geschützt, weil sie selten zum Stammpersonal zählen. An den Rändern wird zuerst gespart“, erklärt Dr. Roman Obrovski, Chef des Arbeitsmarktservices in Oberösterreich. Neben kurzfristigen Feuerwehrmaßnahmen am Arbeitsmarkt wie Kurzarbeit setzt das AMS bei den Jungen vor allem auf Qualifizierung. Obrovski: „Wer gut ausgebildet ist, findet immer leichter einen Job.“
Krise als Chance. „Die Jugendlichen müssen in der Schule besser auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Die Politik ist hier gefordert“, sagt Markus Luger von der Produktionsschule Linz. Vor allem soziale Kompetenz und Kommunikation müssten nach Ansicht von des Trainers in der Ausbildung verstärkt vermittelt werden: „Die Wirtschaftskrise ist eine Chance, das Bildungssystem zu verändern.“ Luger glaubt jedoch, dass das wahre Ausmaß der Krise erst im Jänner und Februar zu spüren sein wird. „Dann erst schreiben die großen Unternehmen aus, dann erst wissen wir mehr.“
Auch Schwächere nehmen. Etwas besser als für Hilfskräfte sieht es am Arbeitsmarkt derzeit noch für (angehende) Lehrlinge aus. Insgesamt gibt es mehr Lehrstellenangebote als Lehrstellensuchende (plus 153 in Oberösterreich). Was aber besser klingt, als es tatsächlich ist, meint MMag. Markus Feichtinger vom Forum Arbeit der Katholischen Jugend: „Einem Schärdinger nützt die freie Stelle in Kirchdorf sehr wenig.“ Für einen Arbeitssuchenden brauche es mindestens drei Angebote, um eine wirklich gute und interessante Arbeit zu finden. „Die großen Betriebe nehmen nur die Besten der Besten und veranstalten sogar Lehrlingscastings. Wer Verantwortung zeigt, bildet aber nicht ausschließlich die besten Leute aus“, kritisiert Feichtinger. Er fordert deshalb, dass Firmen auch Jugendliche nehmen, die noch mehr lernen müssen als andere. „Wenn bewusst Schwächere genommen werden, profitieren auch die ,besseren‘ Kollegen. Sie lernen dadurch, mit Leuten umzugehen, die vielleicht langsamer sind, aber genauso ihre Talente und Stärken haben.“