Musik bringt im Menschen etwas zum Klingen. Sie rührt an, regt auf, bewegt, tröstet. Ihr wird heilende Kraft und Förderung der menschlichen Intelligenz zugeschrieben. Immer war sie auch ein Weg, das Göttliche zum Ausdruck zu bringen.
In der Advent- und Weihnachtszeit spielt Musik eine besonders bedeutende Rolle. Als Hintergrund-Kulisse in Einkaufszentren soll sie die Kauflaune steigern und wohlige Behaglichkeit verbreiten. Was für die einen aus marketing-technischer Sicht Pflicht ist, stellt für andere einen Zwang dar: die Dauerberieselung mit Musik kann Konsument/innen und Handelsangestellte nerven und unruhig machen.
Rote Karten gegen Dauerberieselung. Die Kampagne gegen Zwangsbeschallung, bei der neuerdings in Linz auch vorgedruckte Rote Karten verteilt werden, macht auf dieses Phänomen aufmerksam: Handelsbetriebe und öffentliche Einrichtungen sollen damit konfrontiert werden, dass nicht alle Kund/innen mit „Musik aus der Dose“ zwangsbeglückt werden wollen. Statt der vorproduzierten Musik auf Tonträgern bevorzugen viele – Stille. Die Kampagne findet im Rahmen der „Hörstadt“, einem Projekt von Linz09, statt. Die Citypastoral der katholischen Kirche Oberösterreich unterstützt diese Initiative.
Musik ist Liturgie. Musik im Gottesdienst nimmt in der christlichen Tradition eine zentrale Stellung ein. Gerade in der adventlichen Zeit spricht sie Menschen besonders an und bringt ihre Sehnsüchte und Hoffnungen, ihre Trauer, ihre Ängste zum Ausdruck. Musik ist Liturgie – sie ist nicht schmückendes Beiwerk, das beliebig austauschbar ist. Sie vermittelt Glaubensinhalte und bringt etwas zur Sprache, das mit Worten alleine oft nicht gesagt werden kann.
Bibel und Musik. Im Heft „Bibel und Musik“ (Nr. 175/Bibel heute) wird ein weiter Bogen von der Musik im Alten Orient bis zum heutigen Musikschaffen gespannt. Musik, die das Göttliche zur Sprache bringt, ist einer der Aspekte, die dabei beleuchtet werden. Dass auch schon König David um den musiktherapeutischen Aspekt wusste, zeigen jene Bibelverse, in denen er Sauls depressive Verstimmungen mit der Harfe zu vertreiben versucht. Dass Saul bei den Klängen von Harfe, Pauke, Flöte und Zither in prophetische Verzückung geriet und in einen anderen Menschen verwandelt wurde, davon berichtet die Bibel (vgl. 1 Sam 10 5–7). Musik als Ausdruck der Freude, davon erzählt etwa das Mirjam-Lied im Alten Testament (vgl. Ex 15, 21 f). Als neues geistliches Lied bearbeitet gehört es in vielen Pfarren heute zum ständigen Liedgut.
Selber Singen. Diese kulturelle Tradition geht im Alltag zunehmend verloren. Dazu will das neue Buch „Die Lieder Österreichs“ ermutigen. Es enthält über 300 bekannte, verborgene und neu entdeckte Lieder aus Österreich mit Begleitakkorden und Notenvorlagen. Sehr empfehlenswert!
Tipps
- Das neue Buch „Die Lieder Österreichs“ enthält Volkslieder, religiöses Liedgut und Lieder zum Jahreskreis. Autoren: N. Hauer/T. Huber. Mit Begleitakkorden und Notenvorlage, erschienen im Ueberreuter Verlag (Euro 29,95).
- Infos zur Kampagne gegen Zwangsbeschallung finden Sie auf: www.beschallungsfrei.at bzw. unter www.dioezese-linz.at/linz09
- Das Heft 175 „Bibel und Musik“ ist im Katholischen Bibelwerk in der Reihe „Bibel heute“ erschienen, Info: Tel. 02243/329 38.