Die palästinensische Tourismusministerin Khouloud Daibes hörte das erste Mal vom Brauch des Friedenslichts, als sie kürzlich mit einer Delegation der oö. Landesregierung in Bethlehem zusammentraf.
Die 43-jährige Architektin war beeindruckt von der Verbreitung, die die kleine Flamme aus der Geburtsgrotte in ganz Europa findet, sie schloss aber unverzüglich den Appell an: „Zeigen Sie, dass Sie auch an die Kraft des Friedenslichts für hier, für uns in Palästina glauben. Nehmt das Friedenslicht ernst.“ Ernst nehmen heißt für sie, dass Pilger nicht nur die Geburtskirche besuchen und nach kaum zwei Stunden Aufenthalt wieder nach Jerusalem fahren: „Gehen Sie durch Bethlehem, kaufen Sie hier ein – die hier lebenden Christen sollten die Präsenz der Pilger fühlen.“
Friedens-Tourismus. Die Besucherzahlen in Bethlehem steigen sprunghaft an. Im Jahr 2008 haben bereits eine Million Menschen die Geburtskirche besucht, ein „Pilger-Plus“ von 80 Prozent gegenüber dem Jahr davor, freut sich P. Seweryn Lubecki. Der Franziskaner betreut das Gästehaus seines Ordens im Zentrum von Bethlehem. Zurzeit führen die polnischen vor den russischen Pilgern die Rangliste der Besucher an. Der Wermutstropfen in dieser hoffnungsvollen Bilanz: nur fünf Prozent der Einnahmen aus dem Pilgertourismus können die Palästinenser lukrieren, der Löwenanteil von 95 Prozent bleibt auf israelischer Seite, bedauert die Ministerin. „Am meisten ist den Menschen in Bethlehem geholfen, wenn die Pilger auch in der Stadt übernachten. Bethlehem hat 4000 Betten“, wirbt Daibes. Bedenken wegen der Sicherheit seien unbegründet. Den Tourismus bezeichnet Daibes, die eine von zwei Christ/innen in der palästinensischen Regierung ist, als guten Weg, um den Frieden zu unterstützen.