Ausgabe: 2008/51, Elongó, elongo, Jana Herbst, Buddy, Somalia, Lara Schroeter, Kongo, Hannover, UNO, Welttag der Migranten und Flüchtlinge, Flüchtling, Niiro, Brücken bauen, Rotes Kreuz, Suchdienst
17.12.2008
- Hans Baumgartner
Die UNO hat den 18. Dezember zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge ausgerufen. Einer der vielen Gedenktage im Laufe des Jahres. Für Jana Herbst hat das Wort „Flüchtling“ ein Gesicht bekommen.
„Eigentlich wollte ich gerne etwas mit einer Flüchtlingsfamilie mit Kindern machen: Deutsch üben, bei den Aufgaben helfen, mit ihnen spielen oder durch Wien ziehen“, erzählt Jana Herbst (23). Als sie dann aber die Geschichte von Niiro*, „die nur zwei Jahre älter ist als ich, gehört habe, sagte ich spontan zu, sie zu treffen.“ Vor etwa drei Jahren ist die junge Somalierin auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in Österreich angekommen. Auf ihrer abenteuerlichen Reise in ein Leben ohne ständiger Bedrohung und Angst hat sie ihr Kind verloren. Ihr Mann sitzt in Äthiopien fest und darf bis jetzt nicht nachkommen, weil das Paar aus einem Land, in dem es kaum mehr staatliche Behörden gibt, keine Hochzeits-dokumente vorweisen kann. „Ich glaube, dass es für Niiro, die so ganz alleine ist, noch schwieriger ist, in ihrem Asylland Österreich Fuß zu fassen. Das ist noch einmal extremer, als hier mit einer Familie neu anzufangen.“
Brücken bauen. Begonnen hat die Geschichte zwischen Jana und Niiro mit einer Suche im Internet. Die in Wien studierende Hannoveranerin wollte gerne wo ehrenamtlich mitarbeiten. „Da ich durch mein Studium auch mit der Problematik Zuwanderung und Asyl zu tun habe, suchte ich nach etwas Praktischem in diesem Bereich und stieß bei Google bald einmal auf das Projekt Elongó. Dort suchte man Begleiter/innen (Buddies) für anerkannte Flüchtlingsfamilien, die mit diesen Deutsch lernen, sie im Alltag unterstützen und ihnen durch regelmäßige Kontakte helfen, leichter Anschluss in Österreich zu finden. Dieses Projekt hat mich sehr angesprochen“, meint Jana Herbst, „weil ich es wirklich schade finde, wie unsichtbare Wände oft Zuwanderer/Flüchtlinge von Einheimischen trennen.“ Sogar als Deutsche, die „ja nicht anders ausschaut“, habe sie das in den ersten Monaten in Wien zu spüren bekommen. „Da kam schon manch abschätziges ,Piefke‘ über den Ladentisch, wenn ich statt einem Sackerl eine Tüte wollte“, meint sie lachend.
Nahe gekommen. Niiro und sie seien sich nach dem ersten Treffen vor gut zwei Monaten schon recht nahe gekommen. „Sie ist eine sehr offene, herzliche und gescheite Frau, die auch schon gut Deutsch spricht. Wir erzählen uns viel Persönliches. Aber ich bohre nicht nach. Sie klagt oft über Kopfschmerzen und ich merke, wie sie ihre vergangenen Erlebnisse aus 20 Jahren Bürgerkrieg bedrücken. Sie hat mir viel über ihr Land, die Bräuche und Feste, über die Natur und die Menschen erzählt. Auch eine Jobsuche haben wir miteinander gestartet, weil sie derzeit sehr weit zu ihrer Arbeitsstelle fahren muss und dort nur eine Halbtagsarbeit hat“, berichtet Herbst. * Der Name wurde aus Datenschutzgründen geändert.
Zur Sache
Elongó – gemeinsam und zusammen
Elongó heißt in der zentralafrikanischen Sprache Lingala soviel wie gemeinsam, zusammen. Das ist auch das Programm des gleichnamigen Projektes, das vor einem Jahr gemeinsam vom Suchdienst des Roten Kreuzes und vom Diakonie-Flüchtlingsdienst in Wien gestartet wurde. „Unser Ziel ist es, Familien von Flüchtlingen, denen offiziell in Österreich Asyl oder Schutz vor Abschiebung gewährt wurde, bei der Integration zu unterstützen“, sagt Lara Schroeter, Elongó-Projektleiterin der Diakonie.
Beide Seiten. „Integration ist ein wechselseitiger Prozess, der sowohl die Flüchtlinge als auch die Aufnahmegesellschaft betrifft. Er wird erleichtert, wenn beide Seiten zusammenarbeiten“, ist Schroeter überzeugt. Deshalb sucht und vermittelt Elongó ehrenamtliche Mitarbeiter/innen, sogenannte Buddies, die zu Flüchtlingsfamilien Kontakt halten und sie bei den ersten Schritten in ein neues Leben unterstützen. Miteinander Deutsch sprechen, gemeinsame Freizeitaktivitäten, gegenseitige Einladungen gehören ebenso dazu wie einfache Hilfe bei Behördenwegen, bei der Wohnungs- oder Arbeitssuche. „Wir lassen die Buddies aber nicht alleine“, betont Schroeter. „Wir bereiten sie auf ihre Arbeit vor, organisieren Buddiestreffen und verschiedene Vortragsabende. Und wenn professionelle Hilfe notwendig ist, stehen wir als Sozialarbeiter/innen unterstützend bereit.“ Über 50 Buddies konnten bisher bereits gefunden werden, freut sich Schroeter. Das vom Innenministerium und vom Europäischen Flüchtlingsfonds geförderte Projekt hat weitere Anlaufstellen in Oberösterreich, Tirol und der Steiermark. Niederösterreich und das Burgenland werden von Wien aus mitbetreut.