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Gottes Geist Raum geben

4. Adventsonntag (Lesejahr B), 21. Dezember 2008
Ausgabe: 2008/51, Sonntag, Gottes Geist, Maria, 4. Adventsonntag, Wort zum Sonntag, Maria Ulrich-Neubauer, Hildegard Nies, Verkündigung, Engel Gabriel, Evangelium, Lesung, Wort zum Sonntag
17.12.2008
Durch Marias Ja wird möglich, dass der große Gott als kleiner Mensch in Windeln zu den Menschen kommt. Diese Frau, das „Urbild eines gläubigen Menschen“, stellt sich und ihr Leben Gottes Geist zur Verfügung.


Evangelium


Lk 1, 26–38

Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazareth zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.
Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabeth, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.


1. Lesung


2 Sam 7, 1–5. 8b–12. 14a. 16

Als nun der König in seinem Haus wohnte und der Herr ihm Ruhe vor allen seinen Feinden ringsum verschafft hatte, sagte er zu dem Propheten Natan: Ich wohne in einem Haus aus Zedernholz, die Lade Gottes aber wohnt in einem Zelt. Natan antwortete dem König: Geh nur und tu alles, was du im Sinn hast; denn der Herr ist mit dir. Aber in jener Nacht erging das Wort des Herrn an Natan: Geh zu meinem Knecht David, und sag zu ihm: So spricht der Herr: Du willst mir ein Haus bauen, damit ich darin wohne? [. . .] Ich habe dich von der Weide und von der Herde weggeholt, damit du Fürst über mein Volk Israel wirst, und ich bin überall mit dir gewesen, wohin du auch gegangen bist. Ich habe alle deine Feinde vor deinen Augen vernichtet, und ich will dir einen großen Namen machen, der dem Namen der Großen auf der Erde gleich ist. Ich will meinem Volk Israel einen Platz zuweisen und es einpflanzen, damit es an seinem Ort (sicher) wohnen kann und sich nicht mehr ängstigen muss und schlechte Menschen es nicht mehr unterdrücken wie früher und auch von dem Tag an, an dem ich Richter in meinem Volk Israel eingesetzt habe.
Ich verschaffe dir Ruhe vor allen deinen Feinden. Nun verkündet dir der Herr, dass der Herr dir ein Haus bauen wird. Wenn deine Tage erfüllt sind und du dich zu deinen Vätern legst, werde ich deinen leiblichen Sohn als deinen Nachfolger einsetzen und seinem Königtum Bestand verleihen. [. . .] Ich will für ihn Vater sein, und er wird für mich Sohn sein. [. . .] Dein Haus und dein Königtum sollen durch mich auf ewig bestehen bleiben; dein Thron soll auf ewig Bestand haben.


2. Lesung


Röm 16, 25–27

Ehre sei dem, der die Macht hat, euch Kraft zu geben – gemäß meinem Evangelium und der Botschaft von Jesus Christus, gemäß der Offenbarung jenes Geheimnisses, das seit ewigen Zeiten unausgesprochen war, jetzt aber nach dem Willen des ewigen Gottes offenbart und durch prophetische Schriften kundgemacht wurde, um alle Heiden zum Gehorsam des Glaubens zu führen. Ihm, dem einen, weisen Gott, sei Ehre durch Jesus Christus in alle Ewigkeit! Amen.



Vielleicht


wenn ich ganz still werde
höre ich die Sprache der Sterne im Blau der Nacht.
Vielleicht
wenn ich ganz ruhig werde
höre ich das Wort der Sehnsucht
im Dämmern des Morgens.
Vielleicht
wenn ich ganz Ohr werde
höre ich die Melodie des Schweigens
am helllichten Tag.
Vielleicht
wenn ich dich einlasse, Engel,
und du mich berührst
mit dem Flügel des Himmels
vielleicht
weckst du mein Ja
vielleicht wächst dann das Wunder.
Vielleicht. Jetzt?
Komm!
„Für Gott ist nichts unmöglich.“

Hildegard Nies



Wort zum Sonntag


Zärtlich umfangen

Wenn man Maria zur Namenspatronin hat, dann sind die biblischen Berichte über die Frau aus Nazaret Texte, die einen ein Leben lang begleiten. So auch das Evangelium von der Verheißung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel. Im Laufe meines Lebens haben sich die Akzente in der Auslegung dieser Stelle immer wieder verschoben. Als Jugendliche hat mich angesprochen, dass mein damaliger Pfarrer den Text sehr realitätsnahe unter die Lupe genommen hat. Er hat von einer jungen Frau statt von einer Jungfrau gesprochen und von Jesus, der auf natürliche Weise gezeugt worden ist und erst als Erwachsener langsam zur Gewissheit gekommen ist, dass er der Sohn Gottes ist.
Während des Studiums habe ich ein Buch von Carlo Carretto über Maria entdeckt („Gib mir deinen Glauben“). In diesem Buch legt er dar, dass das Ja Marias das Märtyrerinnentum be-inhalten kann. Stand doch auf Ehebruch (und Maria war ja durch die Verlobung mit Josef schon quasi verheiratet) die Steinigung. Da das Kind nach unserem Evangelium nicht von Josef stammt, wäre es durchaus möglich gewesen, dass Josef seine Verlobte den Richtern ausgeliefert hätte. In diesem Zusammenhang war die Zustimmung Marias zu Gottes Plan eine sehr mutige Sache.
Was ich derzeit in dieser Bibelstelle besonders schön finde ist die Beschreibung, wie es zur Empfängnis Jesu kommen soll: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“ Wenn man bei „Geist“ an das hebräische weibliche Urwort „ruach“ denkt, dann wird Maria hier ganz sanft von der weiblichen Seite Gottes umhüllt. Ganz zärtlich wird diese junge Frau von der Liebe Gottes umfangen. Aus dieser Zartheit entsteht ein Kind, das später den Menschen eindrücklich von der Liebe predigen kann.
So habe ich wieder das Geheimnisvolle dieses Bibelabschnittes schätzen gelernt – Wunder sind nicht ausgeschlossen.

Zum Weiterdenken

Lassen Sie sich einladen zu einer Phantasiereise: So wie Maria lasse auch ich mich von der Zärtlichkeit Gottes umhüllen.


Maria Ulrich-Neubauer, Pastoralassistentin in Feldkirch-Tisis, Religionslehrerin und Gemeindeberaterin.
Verheiratet, ein Sohn.

Die Autorin erreichen Sie unter

sonntag@kirchenzeitung.at
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