Barmherzigkeit dürfe im Leben der Kirche „nicht ein bloßer Einschub“, sondern müsse vielmehr „ihr eigentliches Leben“ sein, legt Papst Franziskus in einem am Montag veröffentlichten Apostolischen Schreiben mit dem Titel „Misericordia et misera“ („Die Barmherzigkeit und die Erbärmliche“) zum Ende gegangenen „Jahr der Barmherzigkeit“ dar.
Ausgabe: 2016/47
22.11.2016
Obwohl die „Heiligen Pforten“ nun wieder geschlossen sind, solle doch „die Pforte der Barmherzigkeit unseres Herzens immer weit geöffnet“ bleiben, betont der Papst. Die Kirche müsse „immer wachsam und bereit sein, neue Werke der Barmherzigkeit auszumachen und sie großzügig und begeistert in die Tat umsetzen“. Die Vertiefung der Erfahrung des Jubiläumsjahres soll laut Franziskus zudem vor allem in der verstärkten Betonung des Beichtsakraments geschehen. Die Priester sollten „weitherzig“ in der Vergebung von Sünden sein. Genauer geht der Papst auf die Abtreibung ein, die nach seinem Willen wie schon im Heiligen Jahr weiterhin von allen katholischen Priestern vergeben werden darf. Franziskus dehnt damit eine Sonderregelung aus, die er 2015 erlassen hatte. Mit dem Schreiben gewährt der Papst zudem weiterhin Gläubigen, „gültig und erlaubt“ bei Priestern der traditionalistischen, von Rom getrennten Piusbruderschaft zu beichten. Auf die soziale Dimension der Barmherzigkeit geht der Papst durch die Einführung eines katholischen „Welttags der Armen“ ein, der künftig jeweils im November am zweiten Sonntag vor dem Advent begangen werden soll.