Für Sie gelesen: Jenseits der Ironie. Dialoge der Barmherzigkeit.
Ausgabe: 2016/47
22.11.2016
- Maria Fellinger-Hauer
„Barmherzig ist nur, wer sein Fühlen zur Geste macht.“ Nicht die Absicht zählt, sondern nur, was aus ihr folgt, schreibt die in Zürich lebende Schriftstellerin Ilma Rakusa in ihrem Beitrag zu diesem Band. 41 Autor/innen aus Literatur, Theologie, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik – darunter die Schriftsteller/innen Ulla Hahn, Ilma Rakusa, Arnold Stadler und Martin Walser – setzen sich empathisch und zuweilen kritisch mit dem aus der Mode gekommenen, mitunter missbrauchten Begriff „Barmherzigkeit“ auseinander. Sie befragen ihn nach seiner Bedeutung für die Gegenwart. Auch wenn ihre Zugänge höchst unterschiedlich sind, Einigkeit besteht darin, dass Barmherzigkeit einer der zentralen Werte christlich-abendländischer Kultur ist. „Der bedeutendste Beitrag, den das Christentum der Welt geschenkt hat“, wie Arnold Stadler meint. Ein sehr lesenswertes Buch zum Jahr der Barmherzigkeit – und darüber hinaus. Barmherzigkeit aber, so meint Peter Daniell Porsche, einer der Autoren dieses Bandes, sei keine alte Tradition und keine religiöse Pflicht. Barmherzigkeit sei eben nur dann Barmherzigkeit, wenn sie aus dem tiefsten Herzensentschluss gefasst werde.
Jenseits der Ironie. Dialoge der Barmherzigkeit, Hrsg. von Martin W. Ramb und Holger Zaborowski, Wallstein Göttinger 2016, 343 S.