Seit vielen Jahren macht das Ensemble „Lalá“ eine musikalische Kirchenroas in der stillen Zeit. Vier Stimmen – mehr braucht es nicht, um Menschen zu berühren, erzählt Sänger Mathias Kaineder im Interview.
Der Advent ist terminlich eine Herausforderung. Warum tourt „Lalá“ gerade in der stillsten Zeit des Jahres durch die Kirchen? Mathias Kaineder: Wir haben gemerkt, dass die Leute in dieser Zeit zugänglicher, offener sind, sie lassen sich mehr ein. Es gibt eine gewisse Sehnsucht, die vielleicht bei den Konzerten gestillt wird. Es spielt sich so viel ab rundherum, die Zeit ist so dicht. Wir laden die Leute ein vorbeizukommen, sich fallen zu lassen, einmal den Alltag sein zu lassen. Wir sind nur vier Stimmen: zart, schlicht, klar. Das berührt viele Menschen.
Wie sehen und erleben Sie diese Zeit vor Weihnachten? Kaineder: Es wird viel hineinprojiziert in diese Zeit, sie muss perfekt sein und ist mit hohen Erwartungen verbunden. Die Ur-Message ist aber ganz einfach: Ein Kind wird geboren, es liegt in einem Haufen Stroh. Das ist nicht aufregend, da ist kein Gold, kein Prunk, da ist nichts überladen, ganz im Gegenteil. Manche kommen in Weihnachtsstimmung, wenn sie in ein Konzert gehen. Denn die Stimme ist etwas Archaisches, sie berührt per se. Sie ist einfach, unmittelbar. Es ist das, was aus uns herauskommt.
Wie kommen Sie in Weihnachtsstimmung und haben Sie bei Ihrem Tourplan überhaupt noch Zeit für Stille? Kaineder: Ich komme in Weihnachtsstimmung beim Briefeschreiben. Dazu höre ich Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium. Weihnachten fängt ja bei uns schon im Oktober an, das ist auch ein Stück Arbeit mit Proben, Aufnahmen und Vorausplanen. Ich bin ja selbstständig, lebe von der Musik und mache das sehr gerne. Und was die Stille betrifft: Ich habe zwei kleine Kinder, daher ist jede erdenkliche Stille ein Wahnsinn, denn in erster Linie geht es darum, die Bedürfnisse der Kinder zu befriedigen. Stille ist daher sehr viel wert. Ich fahre z.B. sehr gerne mit dem Zug. Man ist bewegt, ohne sich selbst bewegen zu müssen. Ich kann einfach in Ruhe sitzen, Zeitung lesen. Schön!
Im Frühjahr wird das Ensemble „Lalá“ für die Pfarrgemeinderäte singen und mit vielfältigem Programm auf Tour gehen. Wie kam es dazu? Kaineder: Wir werden von vielen Pfarren angefragt, auch in diesem Fall. Wir singen in Oberösterreich sechsmal, die Konzerte sind als Dank für die Pfarrgemeinderäte gedacht. Als Ensemble haben wir drei Tourneezeiträume: Weihnachten, Frühjahr, Herbst. Dazwischen werden CDs aufgenommen. Wir legen uns nicht fest und singen alles gerne: Bruckner, Bach, Kinder-, Volks-, und Weihnachtslieder und auch Pop. Der CD-Verkauf läuft bei uns gut, denn die Leute möchten sich nach den Konzerten was mitnehmen, sie wollen etwas in der Hand haben und das nicht nur im Internet herunterladen.«
Konzerttipps
Alle Jahre Lieder, am 1. 12., Peterskirche, Wien, am 8. und 9. 12., Ursulinenkirche Linz, 17. 12., Pfarrkirche, Vorderweißenbach, und am 23. 12. in der Kirche in Steyr-Resthof. Infos: www.lala-vocalensemble.at
CD-Tipp: Zuckerguss
Traditionelle Weihnachtslieder, neu arrangiert, dazu amerikanischer Weihnachtszauber, Alte Musik und zum Abschluss: Stille Nacht. Bewegend. – Die CD „Zuckerguss“ ist höchst empfehlenswert!