Ich übe mit dem Tee in der Hand das Warten. Warten worauf? Auf die Ankunft Gottes, die sich täglich vor unserer Haustür ereignet. Aus der Reihe "Alltagskultur".
Ausgabe: 2016/47
22.11.2016
- Elisabeth Leitner
Die Teekanne steht da – und wartet. Sie glänzt matt silbrig, hat bereits ein paar Jahre auf dem Buckel, Kratzer und Spritzer sind zu sehen. Spuren des Gebrauchs. Sie ist wieder bereit. Das Wasser einfüllen, warten, bis es kocht. Ein Blick auf die Uhr. Langsam steigt der Ton auf, wird immer höher und durchdringender. Die Teekanne ruft, aber den Tee machen muss ich selber. Das heiße Wasser ist fertig. Schnell weg vom Herd. Kräuter mit Sieberl in die Tasse, zugießen – und wieder warten. Mit dem heißen Getränk kommt das Bedürfnis nach Behaglichkeit, Ruhe, Stille. Mit der Wärme steigt auch die Dankbarkeit auf. Für all das, was ich im Moment genießen kann. Schluck für Schluck. Für all das, was mir jetzt geschenkt ist. Menschen, Heimat, Geborgenheit. Ich übe mit dem Tee in der Hand das Warten. Warten worauf? Auf die Ankunft Gottes, die sich täglich vor unserer Haustür ereignet. Warten und auf den Weg machen. Der Advent ist da, aber die Tür öffnen muss ich selber.