Für Sie gehört: Bei all der Düsternis, die das Werk von Leonard Cohen durchzieht, so ist „You Want It Darker“ eine Andacht voll religiöser Verweise.
Ausgabe: 2016/48
29.11.2016
- K. Rauscher
Kann bitte jemand endlich dieses Jahr enden lassen, bitte! Zu Jahresbeginn verstarb David Bowie und hinterließ mit „Black Star“ ein schweres und düsteres Vermächtnis. Prince ging im Sommer und am 7. November hat auch Leonard Cohen diese Welt verlassen. Allerdings nicht, ohne ein großes Abschiedswerk zu hinterlassen. Der Shaar Hashomayim Synagogue Choir verbreitet sakrale Stimmung, eine Orgel beginnt leise im Hintergrund zu wimmern und Cohen singt gewohnt schmerzvoll: „A million candles burning / For the help that never came / You want it darker / We kill the flame / Hineni Hineni / I’m ready, my Lord.“ Noch einmal ein Cohen, der bereut („Treaty“); ein Cohen, der seiner Endlichkeit entgegensieht („Leaving The Table“); ein Cohen, der unter unerfüllter Liebe leidet („If I Didn’t Have Your Love“); ein Cohen, der mit Gott und der Welt hadert („On The Level“). Und doch: Bei all der Düsternis, die das Werk von Leonard Cohen durchzieht, so ist „You Want It Darker“ eine Andacht voll religiöser Verweise, es ist das stille Feiern des Lebens trotz seiner Widrigkeiten. Uns bleibt seine Musik, die uns Trost und Licht spendet, wo uns die Dunkelheit einzunehmen droht. Danke, Herr Cohen.
Leonard Cohen – You Want It Darker (erschienen bei Columbia).