Kopf der Woche: Dr. Ruth Pfau, Ärztin und Ordensfrau
Ausgabe: 2009/37, Kopf der Woche, Dr. Ruth Pfau, Ordensfrau, Pakistan
09.09.2009
Seit 50 Jahren lebt die deutsche katholische Ordensfrau und Ärztin Ruth Pfau in Pakistan und engagiert sich dort für lepra- und tuberkulosekranke Menschen. Am 9. September feiert sie ihren 80. Geburtstag. susanne huber„Ich liebe Pakistan – ich liebe es mit blutendem Herzen. In ohnmächtigem Leid, in heißblütigem Ärger, wenn mir die sozialen Ungerechtigkeiten, der Mangel an Betroffenheit wieder einmal in die Augen springt“, schreibt Ruth Pfau in einem ihrer Bücher. Dabei war Pakistan ursprünglich gar nicht vorgesehen in ihrem Lebensplan. Mit 19 Jahren siedelte sie von Leipzig nach Westdeutschland; studierte in Mainz und Marburg Medizin. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens wechselte sie 1953 von der evangelischen zur katholischen Kirche und trat 1957 in den Orden der „Töchter vom Herzen Mariä“ ein. Als sie 1960 in dessen Auftrag nach Indien reisen sollte, um dort als Ärztin zu arbeiten, zwangen sie Visa-Probleme zu einem Stopp in der pakistanischen Hauptstadt Karachi. In einem der Slums der Stadt – wo vor allem Aussätzige unter unwürdigsten Bedingungen hausten und auch das von ihrem Orden gegründete Marie-Adelaide-Leprazentrum stand – wusste die gebürtige Leipzigerin plötzlich, dass sie gegen diese Not etwas tun musste. „Es war, wie wenn man seine große Liebe trifft: ein und für allemal“, beschreibt Ruth Pfau diesen Augenblick.
Staatssekretärin. In den 50 Jahren ihrer Lepraarbeit in Pakistan ist es ihr gelungen, das Marie-Adelaide-Leprazentrum zu einem modernen Spital auszubauen, ein flächendeckendes Netz von Leprastationen im Land zu schaffen und so die Lepra unter Kontrolle zu bekommen. Seit 1979 steht sie in Pakistan im Rang einer Staatssekretärin. Im Zuge dessen hat sie auch in Afghanistan im Untergrund einen Gesundheitsdienst aufgebaut. Nach wie vor engagiert sich die Ärztin aktiv gegen Lepra.