Immer mehr Pfarren engagieren sich im Bereich eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Schöpfung. Sie wollen mit gutem Beispiel vorangehen, auch wenn das Geld kostet. Während sich die Autoindustrie von der Wirtschaftskrise zu erholen scheint, suchen die Pfarren nach Alternativen. Anlässlich der „Schöpfungszeit“, zu der die christlichen Kirchen im September einladen, bringt die KirchenZeitung Beispiele solchen kirchlichen Engagements.
Wie ein Elektroauto zu einer Predigt wird
Vom 1. September bis 4. Oktober ist Schöpfungszeit
„Wir können etwas bewegen, verändern, gestalten.“ Mit diesem Appell wandte sich der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen Österreichs, Herwig Sturm, beim Gottesdienst zum Schöpfungstag an die Kirchen und Christen. Drei Beispiele aus Pfarrgemeinden zeigen, es geht. Sie predigen durch ihr Handeln und ihr Beispiel.
Der konziliare Prozess „Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ (1969) war der Anstoß. „Seither bekennen wir uns aktiv zur Schöpfungsverantwortung“, sagt Gerhard Vonach, Organisationsleiter der Vorarlberger Pfarre Frastanz. „Viele Jahre hindurch haben wir das Thema in der Verkündigung und Liturgie, in unserem Pfarrblatt, bei Bildungsveranstaltungen oder in unserer Schüler- und Jugendarbeit aufgegriffen. Seit etwa fünf Jahren versuchen wir nun, dieses Anliegen auch durch konkrete Maßnahmen und Projekte, die sich im Pfarrbudget niederschlagen, umzusetzen. Denn ein Ziel, das im Budget keine Zeile hat, ist eigentlich keines“, meint Vonach nüchtern. Und noch etwas bewegt ihn dabei: „Wie wir mit unseren Mitmenschen und unserer Umwelt umgehen, sagt auch viel über unser Gottesbild und unseren Glauben aus. Die Leute heute reagieren weniger auf Appelle als auf das konkrete Beispiel. ,Kommt und seht.‘ Dieses Wort Jesu gilt besonders heute auch für uns als Pfarrgemeinde“, ist Vonach überzeugt.
Energiecheck für Pfarren. Auf der Suche, die vielen Mosaiksteinchen an Umweltmaßnahmen im Pfarrbereich in ein System zu bringen, nutzte die Pfarre Frastanz die in vielen Bereichen bestehende gute Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde. Diese hatte sich bereits am Energiecheck- und -effizienzprogramm e5 beteiligt. „Wir haben dann mit Unterstützung des Energieinstituts und der Gemeinde in einem Pilotprojekt die e5-Anforderungen für unsere Bedürfnisse umgeschrieben – und zwar so, dass dies auch andere Pfarren gut verwenden könnten“, berichtet Vonach. Auf dieser Basis wurde dann die Führung einer Energiebuchhaltung und ein Sanierungskonzept für pfarrliche Gebäude beschlossen. „Das gilt auch für die rund 50 Wohnungen, die wir als Pfarre im Rahmen sozialer Projekte, etwa zur Unterstützung eines selbstbestimmten Lebens im Alter, errichtet haben. Ökologisch gebaut und trotzdem günstig sollen auch die 22 Reihenhäuser werden, die derzeit als Startwohnungen für Jungfamilien errichtet werden“, betont Vonach.
Nachhaltig „rechnen“. Ökologische und soziale Nachhaltigkeit und der Rechenstift sind für Vonach kein Gegensatz. „Manche Dinge tun wir, weil sie sich – zumindest mittelfristig – rechnen. Es gibt aber auch Entscheidungen, wo wir nicht nur in finanziellen Größen denken. Mit dem Reihenhausprojekt für Jungfamilien etwa, wo wir auch eine Gemeinwesenarbeiterin beschäftigen werden, wollen wir ein Zeichen setzen und ein Modell entwickeln, wie man mit jungen Paaren als Kirche solidarisch unterwegs ist. Dafür“, so Vonach, „nehmen wir auch Geld in die Hand“. Die Mehrkosten für den Umstieg auf Ökostrom (2010) will die Pfarre durch gezielte Einsparungen wieder hereinbringen. Rechnen soll sich auch die erst kürzlich in Betrieb genommene Nahwärmeversorgung aus Biomasse. Sie wurde gemeinsam mit der Gemeinde errichtet und versorgt die pfarrlichen und öffentlichen Gebäude, aber auch Wohnungen im Marktzentrum. „Ein nicht unerheblicher Nebeneffekt für uns ist, dass wir damit auch den Pfarrwald nachhaltig und finanziell vernünftig bewirtschaften können“, sagt Vonach.
Dinge anstoßen. „Ein Beispiel, das die Leute sehr interessiert und wo viele nachfragen, ist das Elektroauto (Fiat Panda), das die Pfarre im Zuge ihres Mobilitätskonzeptes heuer angeschafft hat“, freut sich Vonach. Der Strom für die bald zwei E-Autos kommt von der Photovoltaikanlage auf dem pfarrlichen Bildungshaus. Gemeinsam mit der Gemeinde und dem örtlichen E-Werk wird derzeit auch die Errichtung einer größeren Photovoltaik geplant. „Wir haben dafür einen Finanzierungsanteil übernommen, hoffen aber, dass es uns gelingt, möglichst viele Bürger/innen zu gewinnen, das Projekt mitzufinanzieren“, ist Vonach optimistisch. Gelebte Schöpfungsverantwortung ist für ihn, dass „wir als Pfarre beispielhafte Projekte anstoßen und ermöglichen. Und wenn die Dinge laufen, ziehen wir uns aus der unmittelbaren Verwaltung wieder zurück.“ Viele soziale, ökologische oder auch pastorale Projekte in Frastanz sind nur deshalb möglich, weil die Pfarre in einem guten Netzwerk mit bestehenden Einrichtungen und Initiativen zusammenarbeitet. So verwundert es auch nicht, dass gleich drei Frastanzer (Pfarre und Gemeinde) am Lehrgang für Umweltmanagement (EMAS) teilnehmen werden, der ab Oktober erstmals für kirchliche Betriebe angeboten wird.
Umwelt und Pfarre –ein Pilotprojekt
Zur Sache
Im Herbst 2008 hat der Verein zur Förderung kirchlicher Umweltarbeit das Pilotprojekt Umweltmanagement für Pfarren (EMAS-Zertifizierung) gestartet. Dazu werden in einem Begleitlehrgang pfarrliche Mitarbeiter darin ausgebildet, eine konsequente Schöpfungsarbeit in ihrer Pfarre längerfristig zu verankern. „Ausgangspunkt ist, dass man für die eigene Pfarre eine umfassende Energie- und Umweltbilanz erstellt“, erzählt Michael Pötzlberger aus Krenglbach bei Wels. Für ihn hat pfarrliche Umweltarbeit immer zwei Seiten: „Bewusstseinsarbeit, um die Leute zu interessieren und zu informieren, und das Setzen von guten Beispielen, um die Menschen zu überzeugen, dass uns dieses Anliegen selber ernst ist.“
„Als wir nach der letzten PGR-Wahl erstmals einen Ausschuss ,Schöpfung‘ gegründet haben, gab es zwar viele Ideen, was wir machen könnten, aber auch eine gewisse Ratlosigkeit, was wir wie angehen sollen“, erinnert sich Pötzlberger. „Das EMAS-Projekt war da eine gute Hilfe, mehr Struktur in die Arbeit zu bringen und Prioritäten zu setzen.“ Der Umstieg auf Ökostrom – auch als bewusstes Zeichen – ist schon geschehen. Im Herbst sollen Schöpfungsleitlinien beschlossen werden, die u. a. festlegen, dass bei pfarrlichen Veranstaltungen fair gehandelte bzw. regionale Produkte anzubieten sind.
- Im Oktober startet ein EMAS-Projekt für kirchliche Betriebe. - Infos: www.schoepfung.at