In diesen Tagen beginnt für 1,2 Millionen Kinder und Jugendliche in Österreich das neue Schuljahr. Und trotz mancher Neuerungen bleiben „viele alte Probleme“ ungelöst, kritisiert der Katholische Familienverband. Der Modellversuch „neue Mittelschule“ (gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen) startet heuer erstmals in allen Bundesländern. Gab es im ersten Modelljahr (2008/09) die NMS an 67 Standorten mit 331 Klassen, so werden heuer mit Schulbeginn 800 Klassen an 224 Standorten starten. Vorreiter ist Vorarlberg mit 51 Standorten. Vorwiegend Hauptschulen entscheiden sich für diesen Schulversuch, der durch bessere finanzielle und personelle Voraussetzungen eine individuelleres Lernen und Fördern zulässt. Verstärkt werden soll in diesem Schuljahr auch die Sprachförderung. Ob das, wie in den vergangenen Jahren, nur eine Ankündigung ist oder ob dafür tatsächlich mehr qualifizierte Lehrer eingestellt werden, ist noch offen. Als „offene Baustelle“ bezeichnen Lehrervertreter auch die Senkung der Klassenschülerhöchstzahlen auf 25. Diese Vorgabe sei in den Gymnasien nicht einmal zur Hälfte umgesetzt worden; in den besonders vollen BMHS-Klassen seien nicht einmal die „Übergangsregelungen“ realisiert worden.
Hausaufgaben. Von „unerledigten bildungspolitischen Hausaufgaben“ spricht der Katholische Familienverband. Er sieht in vier Bereichen dringenden Handlungsbedarf: Qualitätsverbesserung durch transparente Lernziele und Bildungsstandards, die durch die Einbeziehung neuer Lern- und Lehrformen erreicht werden sollen; eine verstärkte individuelle Förderung durch optimale Lernunterstützung für schwache wie für leistungsstarke Schüler/ -innen (Abbau der außerschulischen Betreuungs- und Nachhilfemaßnahmen); eine Verbesserung der frühkindlichen und vorschulischen Bildung im Bereich von Sozial- und Sprachkompetenzen. Dazu sei die Fachausbildung von Kindergartenpädagog/innen auf Hochschulniveau anzuheben. Und schließlich fordert der KFÖ den Ausbau einer bedarfsgerechten, qualitätsvollen Nachmittagsbetreuung bei voller Entscheidungsfreiheit der Eltern.