Das kirchliche Arbeitsjahr 2009/2010 beginnt. Vieles an Vorbereitung ist geschehen. Nichts steht im Wege, dass die Zeit bis zum nächsten Sommer zum kirchlichen Erlebnisjahr werden kann. Die KirchenZeitung hörte sich um, was schon alles geplant ist.
Es gibt einen gemeinsamen Nenner in der Vielfalt der Angebote: Das kirchliche Arbeitsjahr 2009/2010 soll zum Jahr einer weltoffenen Kirche werden. Keine innerkirchliche Nabelschau also. Den Problemen der Menschen und des Lebens heute will man sich stellen.
Frauen ergreifen Weltverantwortung. „Verantwortlich leben – heute gestalten wir für morgen“ heißt beispielsweise das Jahresmotto der Katholischen Frauenbewegung (kfb) in Oberösterreich. „Wie die Welt morgen aussehen wird, liegt heute in unserer Hand“, meint Vorsitzende Erika Kirchweger. Dabei will die kfb auf ein Mehr an Schöpfungsverantwortung hinarbeiten – und auf ein Mehr an Gerechtigkeit. In allen Dekanaten wird es im Herbst dazu Schulungen geben. Die „Bildungstage 2010“ in den Dekanaten stehen unter dem Thema „Die Welt in unseren Händen“. Frauen entdecken dabei ihre Verantwortung. „Wir wollen den Zustand der Welt nicht immer nur krankjammern, wir wollen selbst Verantwortung tragen“, sagt Kirchweger.Einer Frau, an der diese Haltung besonders deutlich wird, ist die französische Mystikerin Simone Weil. Aus Anlass des 100. Geburtstages (3. Februar 2009) wird es am 15. Oktober einen Vortrag (19.30 Uhr) und am 16. Oktober (14.30 Uhr) ein Seminar über diese Philosophin im Haus der Frau in Linz geben. Neu im Angebot des kfb-Bildungs- und Erholungshauses Bad Dachsberg sind Tage für Omas und Enkelkinder im August 2010. Für Alleinerziehende gibt es ebenfalls viele Angebote.
Männer für Gerechtigkeit. Die Katholische Männerbewegung (KMB) wird sich in ganz Österreich mit dem Ruf nach Gerechtigkeit beschäftigen. Bei unseren Männertagen wollen wir uns damit auseinandersetzen, sagt Vorsitzender Franz Gütlbauer. „Wir wollen anregen, das eigene Umfeld anzuschauen und sich zu fragen: Wo kann ich selbst zur Gerechtigkeit beitragen? Wir wollen Gerechtigkeit nicht nur von der Politik oder von irgendwelchen Wirtschaftsbossen einfordern, sondern Unrecht im eigenen Bereich aufspüren“, betont er. Die KMB will sich im kommenden Jahr auch selbst stärken durch verstärkte Mitgliederwerbung. Ein großes Anliegen ist für die KMB die Aktion SEI SO FREI. „In wirtschaftlich schwierigen Zeiten dürfen wir die Dritte Welt nicht links liegen lassen, das hängt auch mit Gerechtigkeit zusammen“, betont der Vorsitzende.
Bildung, um zu gestalten. „Bildung bewirkt mehr Freude am Leben“, meint Direktor Wilhelm Achleitner vom Bildungshaus Puchberg. Für die bevorstehende „Saison“ hat Puchberg das bisher umfassendste Angebot vorbereitet. Ein roter Faden zieht sich durch das Programm: „Die Welt gestalten“. Auch hier also eine starke Hinwendung zu einem sozialen und gesellschaftsoffenen Handeln.Zusammen mit der KirchenZeitung und der Theologischen Privatuniversität bieten die kleineren diözesanen Bildungshäuser in Ried, Puchheim und Steyr sowie die Linzer City-Pastoral ab Mitte Oktober die Reihe „Theologie vor Ort“ zum Thema „Im Scheitern wachsen“ an.
Jugend auf Tour. Die „Jugendsaison“ 2009/2010 startet am 3. Oktober mit einem diözesanen Jugendgottesdienst in der Pfarre Linz-Christkönig (18 Uhr). Höhepunkt wird das Pfingsttreffen 2010 in Kremsmünster sein. Bis dahin gibt es zum Beispiel auf der Burg Altpernstein ein attraktives Angebot, etwa mit den „weekend-Treffen“. Für Firmlinge wird es wieder die „Spiri Night“ im Linzer Dom geben. Und außerdem gehen Jugendliche in diesem Jahr „auf Tour“ mit Bischof Ludwig Schwarz, der mit den Jugendlichen in den einzelnen Regionen Gottesdienste feiern wird. Doch auch die Jugend zeigt starkes gesellschaftliches Engagement. Besonders will sich die Jugend um die arbeitssuchenden Jugendlichen annehmen. Unter dem Stichwort „faire KJ“ wird es um eine Selbstverpflichtung für biologisch fair gehandelte und saisonale sowie regionale Produkte gehen.“ Auch Entwicklungszusammenarbeit ist bei der Jugend groß geschrieben. Man will versuchen, innerhalb eines Jahres die Zahl der Selbstbesteuer/innen zu verdoppeln. Und auch auf einem ganz anderen Gebiet wird es einen Akzent geben: „Tod und Trauer“ in der Jugendarbeit.
Jahr des Priesters. Auf Weltkirchenebene läuft das von Papst Benedikt ausgerufene „Jahr des Priesters“. Im März werden Priester aus Oberösterreich eine Fahrt mit dem Bischof nach Rom unternehmen. Für 9. November sind alle emeritierten und pensionierten Priester zu einem Treffen nach Linz geladen.
Zukunft Kirche. Zu einem Abschluss sollte auch der Diözesane Zukunftsprozess in der Diözese kommen. Im Frühjahr 2010 sollten die diözesanen Gremien über die Strukturmaßnahmen, die die Seelsorge für die Zukunft menschennahe sichern sollen, abstimmen.
Glaube gibt Halt. Zum Abschluss des Kirchenjahres 2009 wird der Schwerpunkt „glaubenswert“ noch einmal betont. Radiospots werden zum Nachdenken anregen: „Glaube gibt Halt“. Diese Botschaft wird im Mittelpunkt stehen. Die KirchenZeitung gestaltet dazu eine Beilage.
Pflanzen und Ernten
Es gibt eine Zeit zum Pflanzen – und es gibt eine Zeit zum Abernten der Pflanzen. So heißt es im biblischen Buch Kohelet . Pflanzen und Ernten gehen oft Hand in Hand. Während auf den einen Feldern schwere Maschinen unterwegs sind, um die Ernte einzubringen, wird auf anderen Feldern gepflügt und gesät für das nächste Jahr. Auch kirchlich geht es immer um beides: Menschen ernten von den Früchten des Glaubens – und tragen zugleich Sorge dafür, dass es auch im nächsten Jahr eine Ernte gibt. Das bevorstehende Arbeitsjahr ist vom Akzent des Bestellens der Felder geprägt: Es gilt, den Boden für ein Mehr an Gerechtigkeit auf der Welt vorzubereiten. Je mehr Menschen an Saat in die Erde legen, umso mehr wird später – für Nachkommen und für Menschen anderer Regionen – zu ernten sein. Dass nahezu alle kirchlichen Einrichtungen diesen Akzent setzen, ist ein Hoffnungszeichen. Eine nur auf das „Ernten“ bedachte Kirche würde schnell an Kraft verlieren. Auch der Kirche insgesamt ist Nächstenliebe aufgetragen.