Milch, die aus offenen Hähnen direkt in den Ausguss fließt. Das erzeugt ein beklemmendes Gefühl. Französische Bauern wehren sich so gegen den Preisverfall. Vier Liter Milch muss ein Landwirt zur Zeit verkaufen, um nur einen Liter Diesel tanken zu können. Auch in Österreich gab es am Montag mit einer Autobahnblockade den ersten Protest gegen die niedrigen Erzeugerpreise für Milch. Die Liberalisierung im landwirtschaftlichen Bereich ist erklärtes europäisches Ziel – mit allen Folgen. Die Großen setzen sich durch, der Preis ist das Kampfmittel. Wo es um das Lebensnotwendige geht, dort sollte die Liberalisierung ihre Grenzen haben – sonst wird eines Tages das Leben selbst „liberalisiert“. Bei der Gesundheitsversorgung ist Österreich zu Recht stolz, dass die medizinischen Leistungen allen zugute kommen – nicht nur jenen, die das Geld dafür haben. Wie gut, dass es Regelungen gibt. Konsumentenschutz ist in Österreich groß geschrieben – mit Recht, damit niemand über den Tisch gezogen wird. Aber es braucht auch den Erzeugerschutz – gegen unfaire Bedingungen auf dem freien Markt. Sonst wird mit der Milch auch Zukunft verschüttet.