Bischof Anba Gabriel ist seit Juni 2000 koptisch-orthodoxer Bischof für Österreich. Von 14. bis 15. September war er Gast bei der Tagung der „Initiative Christlicher Orient“ (ICO) in Salzburg.
Thema der ICO-Tagung war die schwierige Situation koptischer Christ/innen in Ägypten. Entführungen, Misshandlungen, Morde und Überfälle sind dort keine Seltenheit. „Die Zahl radikal-islamistischer Gruppierungen wächst. Sie nehmen den koptischen Christ/innen ihre Rechte. In der Arbeit oder auf den Straßen werden die Kopten vermehrt diskriminiert. Hohe Posten werden ihnen verweigert. Es gibt immer wieder Übergriffe auf Mönche, die entführt und geschlagen werden. Die Täter sind großteils nicht verurteilt worden“, beklagt Bischof Gabriel.
Arzt in Ägypten. In Österreich hingegen leben die insgesamt 6000 koptisch-orthodoxen Christ/innen ohne solch prekäre Probleme. „In Wien gibt es 3000 Kopten, der Rest ist in Graz, Linz, Klagenfurt, Bruck an der Mur und in Innsbruck verstreut. Wir haben hier sieben eigene Kirchen und ein Kloster in Obersiebenbrunn“, so der Bischof. Geboren wurde Anba Gabriel in El Minia in Oberägypten. Der 50-Jährige hat in seiner Heimat Medizin studiert und sieben Jahre als praktischer Arzt gearbeitet. „In Ägypten ist es so die Regel, dass man vor Eintritt ins Kloster einen Beruf ausübt, Erfahrungen sammelt, Geld verdient, um zu sehen, ob das Geld Einfluss hat auf die Persönlichkeit.“ 1991 trat Bischof Gabriel ins Kloster ein. Doch schon ein Jahr vor der Matura hatte er sich entschieden, Mönch zu werden. „Die Liebe zu Gott unterstützt mich und erfüllt mein Herz.“ 1992 folgte die Priesterweihe; danach ging Gabriel nach Europa und betreute u. a. die koptische Gemeinde in Hannover, bevor er im Jahr 2000 erster Bischof für die koptische Gemeinde in Österreich wurde.
Bischof Anba Gabriel: „Als Arzt habe ich gelernt, wie man mit Menschen umgeht. Ich war den Leuten nahe, habe sie beraten und ihnen geholfen, wo ich konnte. Es war eine Zeit reich an Erfahrungen, die für mich jetzt als Bischof wichtig und erforderlich sind.“