„Das ist ein Anschlag auf den freien Markt“, sagte der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain. Er begründete damit seine Ablehnung der von Präsident Barack Obama geplanten Gesundheitsreform. Dass 46 Millionen Amerikaner keine Krankenversicherung haben, weil sie sich die hohen Beiträge für die privaten Kassen nicht leisten können oder von diesen ausgeschlossen wurden, weil sie als „chronisch“ Kranke ein zu hohes „Risiko“ darstellen, berührt ihn offenbar weniger als die „Einschränkung“ des freien Marktes.
Erst kürzlich zeigte der ORF einen Bericht über eine US-amerikanische Familie, die in einem alten Wohnwagen hauste. Sie musste ihr Haus verkaufen, um die Behandlungskosten für die krebskranke Frau zu bezahlen. Dass der „freie Markt“ am besten auch die Grundbedürfnisse der Menschen abdeckt, wenn man ihn nur möglichst ungestört wirken lässt, ist eine Ideologie. Mit der Realität hat das wenig zu tun. Das erleben jetzt viele Pensio-nisten, deren Renten auf dem „freien Markt“ veranlagt sind. Das erleben bis heute Hunderttausende Menschen in den Entwicklungsländern, deren Regierungen vom internationalen Währungsfonds gezwungen wurden, ihre Wasserversorgung zu privatisieren. Sie können sich das Überlebensmittel „sauberes Wasser“ nicht mehr leisten. Aus verseuchten Brunnen tragen sie Krankheit und Tod nach Hause. Solidarität, Gerechtigkeit und Gemeinwohl sind keine Kategorien des „freien Marktes“, sie sind vielmehr die Voraussetzung dafür, dass der „Markt“ menschengerecht funktioniert. Und das ist die Verantwortung des Staates und seiner Bürger/innen.