25. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B), 20. September 2009
Ausgabe: 2009/38, Sonntag, bedingungslos, Sonntag, Herzen, Maß aller Dinge, Sr. Martha Bayer, Jünger, Markus, Ökumene, 25. Sonntag im Jahreskreis
16.09.2009
Wer denn nun der Größte und Wichtigste unter ihnen ist, darüber hatten sich die Jünger unterwegs unterhalten. Als Gegenentwurf zu „groß und wichtig“ stellt Jesus ein Kind in die Mitte. Wer würde dieses Kind nicht lieben? Es wird geliebt, weil es da ist; weil es sich nicht verstellt, sondern einfach so ist, wie es ist; bedingunglos.
Evangelium
Mk 9, 30–37
Sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa. Er wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr; denn er wollte seine Jünger über etwas belehren. Er sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen. Aber sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen. [. . .] Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr unterwegs gesprochen? Sie schwiegen, denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer (von ihnen) der Größte sei. Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.
1. Lesung
Weish 2, 1a. 12. 17–20
Sie (die Frevler) tauschen ihre verkehrten Gedanken aus und sagen: [. . .] Lasst uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung. [. . .] Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind, und prüfen, wie es mit ihm ausgeht. Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner. Roh und grausam wollen wir mit ihm verfahren, um seine Sanftmut kennenzulernen, seine Geduld zu erproben. Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt.
2. Lesung
Jak 3, 16 –4, 3
Wo Eifersucht und Ehrgeiz herrschen, da gibt es Unordnung und böse Taten jeder Art. Doch die Weisheit von oben ist erstens heilig, sodann friedlich, freundlich, gehorsam, voll Erbarmen und reich an guten Früchten, sie ist unparteiisch, sie heuchelt nicht. Wo Frieden herrscht, wird (von Gott) für die Menschen, die Frieden stiften, die Saat der Gerechtigkeit ausgestreut. Woher kommen die Kriege bei euch, woher die Streitigkeiten? Doch nur vom Kampf der Leidenschaften in eurem Innern. Ihr begehrt und erhaltet doch nichts. Ihr mordet und seid eifersüchtig und könnt dennoch nichts erreichen. Ihr streitet und führt Krieg. Ihr erhaltet nichts, weil ihr nicht bittet. Ihr bittet und empfangt doch nichts, weil ihr in böser Absicht bittet, um es in eurer Leidenschaft zu verschwenden.
mach’ unsere Herzen groß
Gott, mache unsere Herzen groß, damit sie groß genug sind, die Größe deiner Liebe anzunehmen.
Gott, mache unsere Herzen weit, damit sie alle diejenigen im Blick haben, die mit uns zusammen an Jesus Christus auf Erden glauben.
Gott, mache unsere Herzen weit, damit sie denen begegnen können, die dich nicht kennen.
Ja, öffne unsere Herzen, damit sie auch die wahrnehmen, die in unseren Augen nicht liebenswert sind, die wir nicht einmal berühren möchten: Ja, öffne unsere Herzen!
lege dein herz in deine gebete. gebete aus der ökumene
Wort zum Sonntag
Das Maß aller Dinge
Nichts Menschliches ist der Bibel fremd. Vor Streit und Eifersucht sind christliche Gemeinden nicht gefeit, das macht der Jakobusbrief deutlich. Eine Realität, mit der wir rechnen müssen, die uns aber auch nicht entmutigen soll, uns um ein besseres Miteinander zu bemühen. Sogar im engsten Jüngerkreis um Jesus gibt es Rivalität und ein Vorrangdenken auf Kosten anderer. Wer ist der/die Größte unter uns? Dieses Streben scheint uns gleichsam von Geburt an ein hartnäckiger Begleiter zu sein. Es äußert sich im ständigen Vergleichen mit anderen. Und in Verhaltensweisen, die von einer von Konsum beherrschten und medial dominierten Gesellschaft kräftig geschürt werden. Bin ich einflussreicher, vermögender, schöner, fitter, selbstbestimmter als die Menschen um mich herum? Ständig trachten wir danach, die Nase vorne zu haben, um von anderen angesehen und beneidet zu werden. Und merken oft gar nicht, dass mich mit dem/r Nebenbuhler/in, den/die ich auf Distanz halten möchte, genau dieses Streben verbindet … Welche Auswege gibt es aus dieser Verstricktheit? Zum einen den guten Willen, aber auch Regeln, Ordnungen und Autoritäten, die uns als größere oder kleinere Gemeinschaften und Gesellschaften eine gewisse Stabilität geben. Jesus zeigt noch einen anderen Weg auf. Er stellt das menschliche Denken auf den Kopf: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.“ Er holt ein Kind in die Mitte. Es ist noch herausgenommen aus den konflikthaften und rivalisierenden Beziehungen der Erwachsenen. „Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf.“ Jesus selbst gibt sich uns als Vorbild, an dem wir unser Streben und Begehren ausrichten sollen. Er ist das Maß aller Dinge. Er fordert uns auf, so zu werden wie er. Auf seinem Weg zu gehen, führt nicht in Verstrickungen mit dem Bösen, sondern in die Freiheit der Kinder Gottes …
Zum Weiterdenken
Gott nimmt mich bedingungslos an. Ich brauche nicht mehr, aber auch nicht weniger aus mir zu machen als ich bin.
Sr. Marta Bayer seit 1988 Benediktinerin, Ökonomin der Ordensgemeinschaft und Leiterin der Paramentik in Steinerkirchen.