Verschiedene Ansichten und Haltungen in einer Beziehung sind eine tägliche Herausforderung
Ausgabe: 2009/38, Katharina Huber, Mühen des Alltags, Beratung, Herausforderung,
16.09.2009
- DSA Katharina Huber, Lebens- und Sozialberaterin, Caritas Tirol
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Aus der Praxis: Rosa, Mitte 50, kommt in die Beratung, weil sie immer wieder heftige Konflikte mit ihrem Mann hat. Sie war schon einmal verheiratet und hat eine erwachsene Tochter aus dieser Beziehung. Sie besucht auch ihre Eltern und hat sich beruflich neu orientiert. Für die neue Wohnung hat sie Kredite aufgenommen und muss diese nun zurückzahlen. Ihr großer Wunsch und ihre Hoffnung, die sie an diese Partnerschaft knüpft, ist, gemeinsam Freizeit zu gestalten und Ruhe und Geborgenheit zu finden. Ihr bisheriges Leben war nicht immer einfach und daher möchte sie ihre Zeit mit einem verständigen und liebevollen Partner genießen. Sie sagt: „Er muss doch wissen, dass ich das Gespräch brauche. Wenn wir uns gern haben, kann er doch aus Liebe dies und jenes für mich tun. Er kommt oft erst später nach Hause und ruft nicht an, er sagt nicht, wohin er geht. Wenn wir in einem Café sitzen, schaut er anderen Frauen nach, und das kann ich überhaupt nicht vertragen.“
Wer versucht, den Alltag mit den Augen der Partnerin oder des Partners zu sehen, wird mit einer intensiveren Beziehung belohnt.
Seit zehn Jahren sind Rosa und ihr Mann ein Paar. Die gemeinsame Zeit ist durch viele Turbulenzen gekennzeichnet. Sie waren unsicher, ob sie miteinander leben können. Ihre körperliche Zuneigung ist vorhanden und auf diesem Gebiet verstehen sie sich bestens.
Er soll sich ändern. Rosa erzählt in der Beratung, wie sie und ihr Mann den Alltag bewältigen. Ihre Erwartungen formuliert sie so: „Wenn er mich liebt, dann ändert er sich so, dass wir es miteinander fein haben. Ich brauche Gespräche, erwarte von ihm Verständnis und Unterstützung.“ Ihr Mann soll im Haushalt helfen, da sie auch berufstätig ist. „Er soll wissen, was mir Freude bereitet, und dies auch tun.“ Sie ist enttäuscht, wenn das alles nicht passiert. Sie streiten lautstark und dann schmollt sie in ihrem Zimmer, er geht. „Ich habe für ihn so viel aufgegeben und erwarte, dass er das schätzt und mir dankbar ist“, so Rosa.
Eigene Geschichte. Ich frage sie: „Wofür soll Ihr Mann dankbar sein? Glauben Sie nicht, dass auch er Ihnen alles gibt und für Sie da ist? Er gibt Ihnen ein Heim, Sie können dies gestalten, wie Sie wollen, und manchmal hilft er mit und ist für Sie da. Er denkt seine eigenen Gedanken und hat seine eigene Geschichte.“ Wenn Rosa sich mit den Augen ihres Mannes sehen könnte, was würde sie dann erkennen?
Wünsche mitteilen. Sie liebt ihn, weil er ist, wie er ist. Manchmal ist mit schwierigen Eigenschaften schwer umzugehen, obwohl dies zu Beginn einer Beziehung den Partner attraktiv macht. Er kann ihre Gedanken nicht lesen, sie muss ihm mitteilen, was sie denkt und will. Es wird auch oft nötig sein, nachzufragen, was er verstanden hat, weil Rosa alles lang und breit erklärt und glaubt, jeder muss sie verstehen und ihren Standpunkt teilen.
Mehr Nähe. In einer Beziehung gibt es oft unterschiedliche Haltungen, und diese zu akzeptieren und trotzdem für den anderen da zu sein, ist nicht einfach und erfordert jeden Tag Mühe. Die Nähe zwischen den Partnern wird durch das Bemühen größer und die Beziehung viel intensiver.