Ob jemand selbstsicher ist und dadurch leichter eine Bindung eingehen kann,entscheidet sich in frühester Kindheit.
Bindung ist eine „relativ dauerhafte Orientierung an eine andere Person“, so drücken das Psychologen aus. Wer sich an jemanden gebunden fühlt, sucht die Nähe zu dieser Person, leidet unter Trennung, freut sich auf die Rückkehr und orientiert sich auch an dieser Person, wenn sie nicht in der Nähe ist.
Sichere Kinder. Wie sehr wir uns auf eine Bindung einlassen können, lernen wir in den ersten zwei Lebensjahren. Kinder, die eine gute Bindung zu ihren Eltern aufbauen können, werden selbstsicher, können anderen vertrauen und haben später eher glückliche Beziehungen. Sie können offener miteinander reden und haben weniger verletzende Streitereien.
Feinfühlig sein. „Eltern brauchen Feinfühligkeit“, sagt Hans-Werner Bierhoff, Professor für Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum. Sie sollen sich Zeit lassen und nicht immer unter Zeitdruck stehen. Ein konkretes Beispiel dafür sind die Mahlzeiten. Ein Zeitplan kann viel Stress wegnehmen. Feinfühlige Eltern reden viel mit dem Kind. Sie erklären, was sie tun und auch, was das Kind tut. Eltern sollen Gefühle der Kinder wahrnehmen und darüber sprechen. Etwa: „Ich verstehe, dass du jetzt traurig bist.“ Das hilft dem Kind später, Worte für eigene Gefühle zu finden. „Viele Dinge bei Kindern erklären sich von selbst“, so Bierhoff. Er rät, sich auf das „natürliche Empfinden“ zu verlassen und einfach „Freude haben an der Eltern-Kind-Situation“.
Belohnte Eltern. „Schwierige Kinder sind meist unsichere Kinder“, erklärt Hans-Werner Bierhoff. Eltern, die sich Zeit nehmen, ihre Kinder kennenzulernen und auf ihre Bedürfnisse angemessen reagieren können, werden belohnt, sagt der Psychologe: „Das Ergebnis sind Kinder, die kooperativ sind, dadurch ist auch die Erziehung leichter.“
- Hans-Werner Bierhoff war Referent bei der Enquete „beziehungs-los“ des Katholischen Familienverband Österreichs am 18. September in Wien.