26. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B), 27. September 2009
Ausgabe: 2009/39, zum Leben anstacheln, 26. Sonntag im Jahreskreis, verstörende Mahnungen, Wort zum Sonntag, Evangelium, Lesung, Carol P. Christ, Sr. Marta Bayer, Benediktinerin Sonntagsevangelium, Johannes, Christentum,
23.09.2009
Sicher, man sollte die Sache nicht zu leicht nehmen. Und, ja, das ist ernst gemeint, aber nicht wörtlich! Was aber ist das eigentliche Ärgernis (grch. skandalon)? Die kantige Bibelstelle? Oder vielleicht doch die Tatsache, dass allzu laues Christentum zum Ärgernis für andere wird? Und, ja, beim Gotteswort geht es ums Ganze. Nicht mehr und nicht weniger.
Evangelium
Mk 9, 38–43. 45. 47–48
Da sagte Johannes zu ihm: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt. Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen. Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde. Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer. [. . .] Und wenn dich dein Fuß zum Bösen verführt, dann hau ihn ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden. [. . .] Und wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.
1. Lesung
Num 11, 25–29
In jenen Tagen kam der Herr in der Wolke herab und redete mit Mose. Er nahm etwas von dem Geist, der auf ihm ruhte, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Sobald der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in prophetische Verzückung, die kein Ende nahm. Zwei Männer aber waren im Lager geblieben; der eine hieß Eldad, der andere Medad. Auch über sie war der Geist gekommen. Sie standen in der Liste, waren aber nicht zum Offenbarungszelt hinausgegangen. Sie gerieten im Lager in prophetische Verzückung. Ein junger Mann lief zu Mose und berichtete ihm: Eldad und Medad sind im Lager in prophetische Verzückung geraten. Da ergriff Josua, der Sohn Nuns, der von Jugend an der Diener des Mose gewesen war, das Wort und sagte: Mose, mein Herr, hindere sie daran! Doch Mose sagte zu ihm: Willst du dich für mich ereifern? Wenn nur das ganze Volk des Herrn zu Propheten würde, wenn nur der Herr seinen Geist auf sie alle legte!
2. Lesung
Jak 5, 1–6
Ihr aber, ihr Reichen, weint nur und klagt über das Elend, das euch treffen wird. Euer Reichtum verfault, und eure Kleider werden von Motten zerfressen. Euer Gold und Silber verrostet; ihr Rost wird als Zeuge gegen euch auftreten und euer Fleisch verzehren wie Feuer. Noch in den letzten Tagen sammelt ihr Schätze. Aber der Lohn der Arbeiter, die eure Felder abgemäht haben, der Lohn, den ihr ihnen vorenthalten habt, schreit zum Himmel; die Klagerufe derer, die eure Ernte eingebracht haben, dringen zu den Ohren des Herrn der himmlischen Heere. Ihr habt auf Erden ein üppiges und ausschweifendes Leben geführt, und noch am Schlachttag habt ihr euer Herz gemästet. Ihr habt den Gerechten verurteilt und umgebracht, er aber leistete euch keinen Widerstand.
Prüfsteine
1. Pflege das Leben
2. Wandle in Schönheit und Liebe
3. Traue dem Wissen, das durch den Körper kommt
4. Sage die Wahrheit über Konflikte, Schmerz und Leid
5. Nimm nur, was du brauchst
6. Denke an die Auswirkungen deiner Taten auf sieben Generationen
7. Halte dich zurück, wenn es darum geht, ein Lebewesen zu töten
8. Sei möglichst großzügig
9. Flicke das Netz
Carol P. Christ, für eine Ethik im neuen Millennium
Wort zum Sonntag
Verstörende Mahnungen
Schwer verdaulich sind die Bilder im Sonntagsevangelium. Wenn dich ein Teil von dir zum Bösen verführt, dann hau diesen Teil ab. „Es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als … in die Hölle zu kommen“. Starker Tobak ist das für unsere Ohren. Doch die Verführung zum Bösen zu leugnen hieße, die Realität unserer Welt zu beschönigen. Das Böse hat viele Facetten. Eine Form prangert die Lesung aus dem Jakobusbrief an, die vor der maßlosen Bereicherung auf Kosten anderer warnt. Die Verführung zum Bösen passiert nicht immer in drastischer Weise – unter Androhung von Gewalt etwa. Sie beginnt manchmal ganz unscheinbar, im Nichtwahrnehmen von Verantwortung für das eigene Tun („eine Hand wäscht die andere“), im Ausreden auf ein kollektives Verhalten („die anderen machen es ja auch so“), im Nicht-sehen-Wollen der Folgen, die ein bestimmtes Handeln nach sich zieht. Die Wirtschaftskrise führt uns da genug Beispiele vor Augen, und wir merken, dass wir uns in Strukturen der Sünde verfangen. „Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt“, wenn du das Gespür dafür verloren hast, ob das, was du an Prämien, Abfertigungen, Gewinnbeteiligungen etc. ausgezahlt bekommst, noch angemessen ist, dann ist es besser, du klinkst dich aus diesem Bannkreis der Gier aus. „Wenn dich dein Fuß zum Bösen verführt“, wenn du die Rechte der Armen und Schwachen mit Füßen trittst, dann ist es besser, du spielst nicht mehr mit im Konzert der Mächtigen und Einflussreichen. „Wenn dich dein Auge zum Bösen verführt“, wenn du meinst, alles haben zu müssen, was dir ein ungerechter Markt vor Augen führt, dann ist es besser, du richtest deinen Blick auf einen nachhaltigen Lebensstil. Es ist nicht irgendetwas, was uns Jesus als Lohn verspricht, wenn wir uns nicht verführen lassen: wir werden „in das Leben gelangen“, das Reich Gottes wird unter uns Raum gewinnen.
Zum Weiterdenken
Wir könnten die Mahnungen Jesu auch als Aufforderung und Ermutigung sehen, mit unseren Händen, Füßen und Augen eine bessere Welt zu gestalten.
Sr. Marta Bayer seit 1988 Benediktinerin, Ökonomin der Ordensgemeinschaft und Leiterin der Paramentik in Steinerkirchen.