Papst Franziskus, der am 17. Dezember 80 Jahre alt wird, kann nicht nur auf ein vielfältiges Leben zurückblicken. Aktuell verjüngt er die Kirche. Selbst ein langer Text kann das nicht gebührend einfangen. Aber vielleicht können ein paar ausgewählte – und unvollständige – Stichworte größere Zusammenhänge in Erinnerung rufen.
Ausgabe: 2016/50
13.12.2016
- Heinz Niederleitner und Susanne Huber
Armut: „Vergiss die Armen nicht“, riet Kardinal Hummes dem neu gewählten Papst. Dieser machte das Streben nach einer solidarischen, armen Kirche zum Programm. Daran erinnert der Papstname: Franz von Assisi gilt als Heiliger der Armen.
Befreiungstheologie: Papst Franziskus, der bürgerlich Jorge Mario Bergoglio heißt, mag kein Befreiungstheologe sein, doch er greift viele ihrer Aspekte auf. Geprägt hat ihn die „Theologie des Volkes“ von Lucio Gera.
Chemietechniker war der junge Bergoglio, bevor er in den Jesuitenorden eintrat.
Einheit: Nicht erst seit dem Treffen mit dem Lutherischen Weltbund in Lund und mit dem Orthodoxen Patriarchen von Moskau auf Kuba bemüht sich Papst Franziskus um die Ökumene. Er traf auch Vertreter kleiner christlicher Kirchen. Gute interreligiöse Beziehungen pflegt er schon länger mit Vertretern von Judentum und Islam.
Frauen: Zwar hat der Papst bestätigt, dass Frauen nicht zu Priestern geweiht werden können. Doch er betont, dass mehr Mitwirkung von Frauen in Leitungspositionen möglich ist. Zumindest die Bedeutung der Diakoninnen in der alten Kirche lässt er prüfen. Außerdem ist bekannt, dass er sich in der Jugend verliebt hat und als Chemietechniker unter einer Chefin arbeitete.
Gesundheit: Auch wenn sich der Papst beim Stufensteigen helfen lässt und Rückenprobleme hat, zeigt er keine Amtsmüdigkeit. Dass ihm im Alter von 21 Jahren ein Teil des rechten Lungenflügels entnommen wurde, schränkt ihn offenbar kaum ein.
Hölderlin: Kurz nach seiner Wahl zitierte Franziskus den Dichter Friedrich Hölderlin – auf Deutsch. Die Sprache hatte er während eines Deutschlandaufenthalts in den 80er Jahren erlernt. Literatur ist ihm wichtig, er hat sie einst an einer Schule unterrichtet.
Jesuit: Dass er nach wie vor wie ein Jesuit denkt und fühlt, hat der Papst einmal selbst betont. Über seine steile Karriere im Orden (war früh Provinzial) hat sich Franziskus selbstkritisch geäußert. Die Aufgabe, den Orden durch die Zeit der Militärdiktatur in Argentinien zu führen, war ein heikler Abschnitt in seinem Leben, der nach der Wahl stark diskutiert wurde.
Kritik: Franziskus weiß, worunter Gesellschaften und insbesondere die Armen leiden – und er findet stets sehr scharfe Worte für Korruption, Mafia oder Drogenhandel.
Lateinamerika: Er komme „vom anderen Ende der Welt“, meinte Franziskus nach der Papstwahl am 13. März 2013. Der Pontifex aus Argentinien brachte eine neue Perspektive mit nach Rom. Aber in seiner Familie steckt auch Europa: Sein Vater war Einwanderer aus Italien, seine Mutter stammte von italienischen Einwanderern ab.
Maria: Der Papst pflegt seine Marienfrömmigkeit, die sich in seiner Beziehung zur Basilika Santa Maria Maggiore zeigt.
Opposition: Auch wenn Franziskus versucht, Andersdenkende in seine Führung der Kirche zu integrieren, gibt es Widerstand, z. B. gegen das Schreiben „Amoris laetitia“. Dass das sichtbar ist, ist dem Papst aber offenbar lieber als Gemauschel hinter seinem Rücken.
Papstreisen: 17 Reisen außerhalb Italiens hat Franziskus bisher absolviert. Neben Zielen wie den USA oder dem Heiligen Land fällt auf, dass es den Papst auch an Randgebiete zieht, wo es nur katholische Minderheiten gibt wie in Georgien und Aserbaidschan. Besonders beachtet wurde sein Aufenthalt im Flüchtlingslager auf Lesbos – wie schon zuvor der inner-italienische Besuch auf der „Flüchtlingsinsel“ Lampedusa. Übrigens: Auch Kardinäle holt der Papst zunehmend aus Gebieten, die aus europäischer Perspektive „am Rand“ liegen. Querdenker: Der Papst fordert Bischöfe zu „mutigen Vorschlägen“ auf – zum Beispiel im Hinblick auf den Priestermangel.
Reform: Kontinuierlich baut Franziskus die vatikanische Ämterstruktur um. Zur Seite steht ihm dabei ein neuer Kardinalsrat.
Schreiben: In seiner bisherigen Zeit als Papst hat Franziskus eine Reihe wichtiger Dokumente veröffentlicht. Besonders wichtig sind das Apostolische Schreiben „Evangelii Gaudium“ (2013) als Grundlagentext für sein Pontifikat, die Enzyklika „Laudato si’“ (2015), welche Ökologie und Soziallehre verbindet, und das nachsynodale Schreiben „Amoris laetitia“ (2016), das nach zwei Bischofssynoden eine neue, wertschätzende Schwerpunktsetzung in der Familienpastoral gebracht hat.
Tango: „Als junger Mann habe ich gerne Tango getanzt“, sagte Franziskus einmal. Eine andere Leidenschaften dürften einst das Kochen gewesen sein – und ist bis heute der Fußball: Der Papst ist Mitglied im argentinischen Verein San Lorenzo – als Fan.
Umarmung: Franziskus spricht nicht nur von Zärtlichkeit, er umarmt auch oft Menschen. Vergebung: Im Heiligen Jahr betonte der Papst die Barmherzigkeit Gottes. Man sah ihn mehrmals schon im Beichtstuhl: Als Beichtvater, aber auch selbst als Beichtender. Wirtschaft: Wichtig ist Papst Franziskus, dass die Wirtschaft allen Menschen dient. Für eine Wirtschaft, die nur wenigen nützt und hochgradig ungerecht ist, hatte er scharfe Worte übrig: „Diese Wirtschaft tötet.“
Zusammenarbeit: Zwar schreckt der Papst nicht vor Entscheidungen zurück. Doch er möchte – wie bei den beiden Familiensynoden – zunächst einen möglichst breiten Diskussionsprozess in der Kirche anstoßen (Synodalität). «