Komatrinken ist ein eher seltenes Phänomen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Suchtprävention. Dennoch ist Alkoholmissbrauch bei Jungen ein ernstes Problem. So sinkt etwa das Einstiegsalter beim Alkoholkonsum.Die Schlagzeilen über Jugendliche, die sich absichtlich bis zur Bewusstlosigkeit niedersaufen, erregten in den vergangenen Jahren große Aufregung. Zu Unrecht, wie eine vom Institut für Suchtprävention erstellte Studie ergeben hat. Dabei wurden 50 Jugendliche befragt, nachdem sie mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden waren. Das Ergebnis: Mehr als der Hälfte ist der Vollrausch „passiert“. „Das waren Trinkunfälle. Sie hatten nicht den Vorsatz, sich zu betrinken“, sagt Christoph Lagemann vom Institut für Suchtprävention: „Im Gegensatz zu Erwachsenen wissen Jugendliche nicht, wie sie mit Alkohol umgehen können.“ Bei der Mehrzahl der Interviewten ist keine Absicht vorgelegen, sich stark zu betrinken. Und: Für die meisten war es der erste Vollrausch.
Ein Mädchen im Koma.<7b> Während des halbjährigen Beobachtungszeitraumes der Studie wurde ein Mädchen in komatösem Zustand ins Spital eingeliefert. Die 16-Jährige hatte 3,7 Promille Alkohol im Blut. Sieben weitere Jugendliche waren nicht mehr ansprechbar. Für das Institut für Suchtprävention ist die Situation rund ums „Komatrinken“ nicht so dramatisch, wie oft in den Medien dargestellt. Bagatellisieren darf man dennoch nicht, betonen die Experten. Immerhin acht Prozent gehören zu der Gruppe der „Koma-Trinker“. Und: 34 Prozent der Jugendlichen trinken um ihre Probleme zu lösen.
Alkohol unter 14 Jahren. Ein für die Studienautoren überraschendes Ergebnis ist, dass im Beobachtungszeitraum keine Patient/innen unter 14 Jahren mit Alkoholvergiftung eingeliefert wurden. Aber auch hier wäre eine Entwarnung fehl am Platz.br>„Wir dürfen hier aber nicht so tun, als ob es in dieser Altersgruppe keine Probleme geben würde“, betont Kinderpsychiater Dr. Werner Gerstl im Gespräch mit der KirchenZeitung. Die Dunkelziffer bei Alkoholmissbrauch von Kindern und Jugendlichen unter 14 Jahren sei sehr hoch: „Diese Gruppe landet bei Alkoholvergiftungen eher selten im Spital“, weiß der Mediziner: „Die Eltern haben meist Angst vor Konsequenzen.“ Dabei ist bei Kindern Jugendlichen unter 14 schon eine geringe Menge an Alkohol sehr gefährlich. Auch deshalb ist es alarmierend, dass das Einstiegsalter beim Alkoholkonsum sinkt, wie der Kinderpsychiater betont. Allein in der Linzer Kinderklinik musste 2008 bei 60 aufgenommenen Patienten unter 14 Jahren eine Alkohol- oder Drogenvergangenheit festgestellt werden.
Verstärkte Kontrollen. Angesichts dieser Zahlen sei es besonders bedenklich, dass in vielen Tankstellen und Lokalen Alkohol sehr leicht erhältlich sei, meint Werner Gerstl: „Das Jugendschutzgesetz muss strenger kontrolliert werden.“ Das Institut für Suchtprävention fordert zudem, dass Kinder und Jugendliche rechtzeitig über die Wirkung von Alkohol informiert werden, damit sie verantwortlich mit der „Droge Alkohol“ umgehen.