Über 54 Prozent der Schweizer/innen gingen vergangenen Sonntag zur Volksabstimmung über eine Verfassungsbestimmung, die den Bau von Minaretten verbieten sollte. Entgegen allen Umfragen stimmten 57,5 Prozent für die Annahme dieser von rechtskonservativen Parteien (SVP, EDU) eingebrachten Gesetzesinitiative. Für die Regierungsparteien ist der Ausgang der Abstimmung eine schwere Niederlage. Zutiefst enttäuscht sind die Kirchen, die interreligiöse Plattform der Religionsgemeinschaften und die rund 400.000 in der Schweiz lebenden Muslime (5% der Bevölkerung).Die Schweizer Bischöfe bezeichneten den Entscheid des Stimmvolkes als „Hindernis und große Herausforderung auf dem gemeinsamen Weg der Integration“. Es sei nicht gelungen, den Menschen vor Augen zu führen, dass durch ein Minarettverbot die Probleme, die es im Zusammenleben zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen gebe, nicht gelöst würden. Im Gegenteil, dadurch würden neue Gräben aufgerissen. Das Bauverbot werde auch den bedrängten Christen in islamischen Ländern nicht helfen, sondern eher schaden. Der Christliche Rat für das Gespräch mit den Religionen in Oberösterreich sieht die Religionsfreiheit als Grundrecht bedroht.