Bei Sonja und Markus soll Weihnachten heuer ein „perfektes Fest“ werden. Eltern und Geschwister der beiden sind eingeladen. Zur Vorbereitung möchten sie mich als neutralen Berater beiziehen.
Ausgabe: 2016/50
13.12.2016
- Albert A. Feldkircher
„Der Stress beginnt jetzt schon“, meint Markus, „meine Frau ist eine Perfektionistin. Bei ihr muss von der Frisur bis zum Essen alles perfekt sein.“ Er stöhnt und Sonja verdreht die Augen. Oh du fröhliche. Ich lasse die beiden zuerst separat ihre Erwartungen an Weihnachten aufschreiben: Wie sollte es verlaufen, dass ich nachträglich sagen könnte: Es war ein schönes Weihnacht? Die beiden stellen einander dann ihre Aufzeichnungen vor. Nun der zweite Schritt: Was bin ICH bereit beizutragen (denken Sie an die praktischen, aber auch emotionalen Aspekte)? Für diese Übung brauchen die beiden schon deutlich mehr Zeit. Zuletzt geht es ums Abspecken der Erwartungen und der Aufwendungen und schließlich einigen sich Sonja und Markus darauf, was von dem Übriggebliebenen wer übernimmt und zu dem Gelingen beiträgt.
Harmonie. Ich gehe immer gerne der Wortbedeutung nach: Harmonie, altgriechisch so viel wie „Ebenmaß“, indogermanisch im Sinne von „Vereinigung von Entgegengesetztem zu einem Ganzen“. Philosophisch: ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Personen und Dingen. Mit alldem haben wir es wohl zu tun, wenn wir an Weihnachten denken, das Ereignis des Jahres mit den größten (unterschiedlichen) Erwartungshaltungen.
Gedanken und Tipps: - Vorstellungen früh genug ansprechen: Oft sind die Erwartungen unterschiedlich. - Wer übernimmt was? Paare/Familien bewähren sich als gutes Team, wenn die Rahmenbedingungen klar sind. - Geschenke: Versuchen Sie es einmal mit „Wichteln“. So reduzieren sich die Anzahl der Geschenke, Aufwand und Kosten. - Frühzeitige Besorgungen statt „Last-minute-Aktionen“ ersparen Stress. - Zeitpuffer: Auch und gerade in der Vorweihnachtszeit sind Zeitinseln für sich selbst und für die Zweisamkeit sowie Zeitpuffer für Unvorhergesehenes wichtig. - Bei wem und wie wird gefeiert? Für Patchwork-Familien eine besondere Herausforderung. - Nicht ungefragt Freunde einladen, Weihnachten gehört ausschließlich der Familie. - Keine heiklen Themen: Wer im Vorfeld schon weiß, welche Themen Zündstoff beinhalten, sollte sie beim weihnachtlichen Beisammensein aussparen.
Kaum ein Feiertag ist mit so vielen Emotionen, Erlebnissen und Erwartungen verbunden wie Weihnachten. Umso wichtiger ist es, miteinander zu reden, Wünsche und Befürchtungen auszusprechen und sich gut vorzubereiten. Dann kann wirkliche Harmonie wie im „Gleichklang unterschiedlicher Instrumente“ entstehen und bleibt kein frommer Wunsch.
Bei Fragen und Problemen wenden Sie sich an: Beziehung Leben, Partner-, Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Kapuzinerstr. 84, 4020 Linz, Tel. 0732/77 36 76.