Die durchschnittliche Lebenserwartung der Spatzen beträgt rund 2,3 Jahre. Der älteste bisher bekannt gewordene Spatz wurde – allerdings in Gefangenschaft – 23 Jahre alt. Der Domspatz der KirchenZeitung wird am 14. Jänner 2010 schon 25. Ein Interview mit dem Jubilar.
25 Jahre! Keine Spur von Amtsmüdigkeit? Domspatz: Zwischen Amt und müde muss man unterscheiden. Ich orientiere mich an den Päpsten. Der jetzige ist auch schon im Dreiundachtzigsten, der letzte war 85.
Erinnern Sie sich an ihren ersten Auftritt? Sie werden es mir sicher gleich sagen.
Die Kirche hat noch einen Herrenhut auf, aber bereits Damenschuhe an, haben Sie damals gemeint. Hat sich etwas geändert? Die Sache wird uns noch lange beschäftigen. Auch wenn man mit noch so spitzen Stöckelschuhen den Herren auf die Zehen tritt, der Hut fällt deshalb nicht vom Kopf.
Spatzen stehen auf der Vorwarnliste bedrohter Tierarten. Fühlten Sie sich jemals bedroht? Nicht vom Nahrungsangebot her. Gefundenes Fressen gibt’s für einen Domspatz mehr als genug. Doch bei einem Vogel kommt es sehr auf die Atmosphäre an. Und die ist bisweilen schon sehr giftig.
Das ist also das größere Problem? Das größere ja. Aber nicht das größte. Irgendwie ist die Luft raus! Das ist das eigentliche Problem, das wir im katholischen Bereich haben. Wie soll man fliegen ohne Luft? Die Folge: Eine Bauchlandung nach der anderen! Selbst dem Papst geht es nicht anders.
Spaß beiseite ... ... Ich habe das ganz ernst gemeint.
Also im Ernst. Was würden Sie aus Ihrer langjährigen Erfahrung der Kirche raten? Nichts. Wenn Sie in der Kirche etwas verhindern wollen, dann brauchen Sie nur dazu zu raten.
Wechseln wir das Thema. Es soll bald einen neuen Weihbischof geben. Sind Sie dafür? Man muss vorbeugen. Bei der Anzahl der Weihen, die nach dem „Jahr der Priester“ kommen könnten, eine sinnvolle Maßnahme. Man soll nicht am falschen Ort sparen.
Apropos sparen. Wo würden Sie sparen? An unnötigen Erklärungen. An zu langen Predigten. Auch zu viele Seligsprechungen kommen teuer.
Und wo würden Sie investieren? Es wäre die billigste und mit Sicherheit eine der wirksamsten Maßnahmen, würde man dem Humor mehr Raum geben. Er braucht übrigens fast keinen Platz. Und zweitens: auch in den Ernst. Beide zusammen sind unschlagbar. Alles, was nicht wirklich ernst gemeint ist, kann man sich – da komme ich auf die vorherige Frage zurück – getrost sparen.
Humor und Kirche sind ja nicht gerade ein Erfolgsgespann? Mit Humor meine ich nicht bloß Witzigkeit. Humor ist eine Grundeinstellung: Man soll sich selber nicht zu wichtig nehmen. Und man braucht auch die anderen nicht wichtiger nehmen, als sie sind. Als Menschen soll man sie ernst nehmen. Das wäre schon viel. Es kommt wieder in Mode, dass Titel und die Insignien des Amtes hoch gehalten werden. Der äußere Anschein zählt mehr als die innere Ausstrahlung. Manche tragen ihren Heiligenschein schon zu Lebzeiten recht gern.
Ihre Wünsche in Bezug auf Kirche? Ich wünsche mir eine großzügige Kirche, die gelegentlich – oder eigentlich recht oft – ein Auge zudrückt bezüglich der Unvollkommenheiten der Menschen. Aber ein Auge zudrücken ist etwas anderes als die Augen verschließen. Ich verabscheue es, wenn man die Augen zumacht vor der Wirklichkeit. Ein klein wenig kommt es mir vor wie auf der Titanic. Im Festsaal haben sie noch getanzt, während die Maschinenräume schon unter Wasser standen.
Lassen wir das einmal so stehen. Sie sind also auch einer, der die unangenehmen Dinge lieber stehen lässt – und sich dann wundert, wenn die Suppe anbrennt.
Sie sind wohl eher pessimistisch? Nicht, solange Interviews wie dieses in der KirchenZeitung erscheinen können.
Haben Sie mit 25 noch Pläne? Irgendwie hätte ich gehofft, dass mich der Bischof als seinen Pressesprecher erwählt. Aber da bin ich wohl der Frauenquote zum Opfer gefallen.
- Ihre Glückwunschschreiben an den Domspatz richten Sie an: leserbiefe@kirchenzeitung.at (Betreff: Domspatz), oder Sie wählen den Postweg.