Spielen, singen – wie zwei, die miteinander freudig tanzen
Arzt warnt auf Kindergartentagung: Gesellschaft verliert das Wissen um die Bedeutung des Spiels
Ausgabe: 2010/07, Kindergartentagung, Arzt, Gesellschaft, Schiffer, Stressfrei, Spiel
17.02.2010
- Ernst Gansinger
Rum?nienfahrt mit der Caritas-Auslandshilfe vom 11. bis 13. Juni 2003, Besuch der Caritas Alba Julia, Petrosani, Schiltal
Deva, Kinderheim von P. Csaba, Kinder bei der Probe ihrer Schlusschluss-Auff?hrung
Reiseteilnehmer: Edith B?rgler-Scheubmayr, Ge
Dr. Eckhard Schiffers Vortrag auf der „Fachtagung für Pädagoginnen in kirchlichen Kindertageseinrichtungen“ am 15. Februar durchzog die Empfehlung für die Förderung von Kindern: Spielen! Stressfrei spielen! Einfühlsam spielen! Es kommt aufs Miteinander an, nicht darauf zu siegen ...
„Die Intuition ist unsere größte Stärke“, meinte Dr. Schiffer, der bis vor einem Jahr Chefarzt der Abteilung für Psychosomatische Medizin des Christlichen Krankenhauses in Quakenbrück war. Sein Referat war eine einzige Botschaft, diese Intuition im Spiel zu pflegen, das wie ein freudiges Miteinander-Tanzen oder ein Singen im Duett sei. „Begegne dem Anderen im Spiel als Mitspieler und ermögliche ihm, sich nach seinen Möglichkeiten zu entfalten.“ Spielerische Begegnung setze Freude frei. Durch Vorschriften werde das zertrampelt und führe zu Krankheit. „Keine Norm, wenn es ums Spielen geht!“
Schöpferisches Tun. Die Kindergarten-Pädagoginnen nennt Schiffer Gralshüter der schöpferischen Entfaltung. Spielen, Singen, Tanzen, Phantasie, kreatives Tun seien weitgehend abhanden gekommen. Doch wären diese Lebendigkeiten so wichtig für die Entwicklung des Kindes wie übrigens auch für die geistige Fitness im Alter, wie der Referent nebenbei aus der Gehirnforschung anmerkt: „Ihr Gehirn bleibt viel länger fit, wenn sie als Kinder viel spielen“.
Kinder nicht dressieren. Spielerisch entfalten Kinder eigenbestimmt die Leistung, zu der sie selber Lust haben. „Das Entscheidende ist die Freude!“, appelliert Schiffer an die Kindergarten-Pädagoginnen. Und ruft auf, die Kinder nicht zu dressieren. Er erwähnt ein Beispiel mit schlimmem Ausgang aus der Sportwelt (Selbsttötung eines berühmten Tormanns): „Mein Gott, wozu wird das Kind dressiert? Unter dem Stichwort Begabteförderung wird das Kind vergewaltigt.“ Leistung erzwingen, pervertiere das Spiel. Wichtig sei, „dass Sie die Kinder wohlwollend in ihrer Entfaltung wahrnehmen“. Nicht: Ich sehe deine Leistung, das freut mich. Sondern: Ich sehe dich, das freut mich! „Entscheidend“, setzt Schiffer nach, „ist nicht, dass man erfolgreich ist, sondern dass man miteinander etwas tut.“
Medien lähmen. Kinder und Erwachsene produzieren beim stressfreien Spiel im Gehirn Nervenwachstums-Faktoren. Medienkonsum aber lässt verblöden. Jeder Medienkonsum, wie Schiffer unterstreicht. Medien wirken sich wie Alkohol lähmend auf die Gehirnorganisation aus, warnt der Arzt.
Kinder-Tageseinrichtungen der Kirche
Bei der Tagung konnte die Bereichsleiterin Pädagogische Beratung und Service der Caritas für Kinder und Jugendliche, Mag. Roswitha Watzinger, unter anderem Bischof Dr. Ludwig Schwarz sowie weitere hochrangige Vertreter von Kirche, Bildungseinrichtungen, Politik und öffentlicher Verwaltung begrüßen. Sie umriss kurz das Tätigkeitsfeld der Kirche Oberösterreichs in diesem Sektor: - 17.200 Kinder werden in den Tageseinrichtungen betreut. Das sind um 7,5 Prozent Kinder mehr als im Vorjahr (Gratiskindergarten). - 1.300 Pädagoginnen und Pädagogen sowie 1.200 Helfer/innen sind in den 249 Kindergärten, 33 Horten und 20 Krabbelstuben beschäftigt.