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Der Wunsch nach sicherer Pension

Die AK fordert eine „Rückholaktion“ für Produkte betrieblicher Pensionskassen. Diese sagen: System und Produkte sind in Ordnung
Ausgabe: 2010/09, Pension, AK, Rückholaktion, Pensionskassen, Altersvorsorge, Lebenserwartung
03.03.2010
- Ernst Gansinger
MR Hand von einer alten Frau st?tzt sich an einem knorrigen Stock aus Holz - MR hand of an old woman holding a knobbed old wooden cane
MR Hand von einer alten Frau st?tzt sich an einem knorrigen Stock aus Holz - MR hand of an old woman holding a knobbed old wooden cane
© Theissen, Foto Begsteiger KEG
„Die betriebliche Altersvorsorge erfüllt nicht die Erwartungen und ist mit schweren Mängeln behaftet“, kritisierte vor einer Woche Dr. Johann Kalliauer, der Präsident der ArbeiterkammerOÖ. Er forderte, aus den Verträgen aussteigen zu können.Die Pension ist eines der „heiligsten“ Themen der Österreicher/innen: Wie viel Pension bekomme ich, wenn ich mein Lebtag gearbeitet habe? Vor 20 Jahren begannen die Ratschläge, auf drei Säulen zu setzen – auf die staatliche Pension, auf die betrieblichen Pensionskassen und auf private Vorsorge.

Steigende Lebenserwartung. Präsident Kalliauer erwähnte, dass die betrieblichen Pensionskassen in Österreich 2008 Verluste von etwa 13 Prozent gemacht haben. 2009 habe man zwar wieder „satte Veranlagungsgewinne“ erzielt. Nun habe aber die Allgemeine Pensionskasse APK Pensionen um weitere 3,5 Prozent gekürzt. Argumentiert wurde dies mit der steigenden Lebenserwartung.

Schwieriges Jahr. Es ist nicht objektiv, immer nur die Pensionskassen zu kritisieren, wenn es um die Beleuchtung der negativen Ergebnisse im schwierigen Jahr 2008 geht, meint Rudolf Böhm, Vorstandsdirektor der Valida Pension AG, die bis Ende Februar ÖPAG Pensionskassen AG hieß. 2008 hätten nahezu alle Portfolios (Bündel von Wertpapieren) negative Ergebnisse erbracht.

Moderat steigende Pensionen. Der Vorsitzende des Vorstands der APK Pensionskasse AG, Christian Böhm (er ist Obmann des Fachverbands der Pensionskassen), versichert, „alle Anwartschafts- und Leistungsberechtigten der APK Pensionskasse AG werden aufgrund der ausgezeichneten Veranlagungsergebnisse des Jahres 2009 zumindest eine gleich hohe bzw. moderat steigende Pensionsleistung bzw. Zuwachs ihrer Pensionsanwartschaft aufweisen können.“ Den Ausstieg wollen, gehe von falschen Fakten aus.

Eine Ergänzung. „Die betriebliche Altersvorsorge ist eine freiwillige Sozialleistung (des Betriebes), die als sinnvolle und zunehmend immer notwendiger werdende Ergänzung zur umlagefinanzierten ersten Säule dient“, sagt Christian Böhm. Nur fünf Prozent der Pensionistinnen und Pensionisten in Österreich beziehen eine solche Ergänzungsrente, ein Fünftel der aktiven Erwerbsbevölkerung hat eine Anwartschaft auf eine betriebliche Altersvorsorge. Christian Böhm hält die Übertragung der Ansprüche in eine Höherversicherung des umlagefinanzierten staatlichen Pensionssystems für bedenklich. Da müssten alle Steuerzahler mitzahlen, auch jene, die keine Zusatzpension beziehen. Der Sozialstaat würde auf diese Weise über Gebühr beansprucht. Dagegen entlaste die zweite Säule die erste Säule.

Eigenverantwortung vor Solidarität. Für den stellvertretenden Leiter der Abteilung Sozialpolitik der Arbeiterkammer, Dr. Gerald Reiter, ist die Debatte um die Mehrsäuligkeit der Pension eine Debatte „Eigenverantwortung vor Solidarität“. Er erinnert an Erwartungen der Arbeitnehmer-Interessensvertretung, die diese an die betrieblichen Pensionskassen hat(te): Die Arbeitnehmer/innen könnten bei Gewinnen ihrer Arbeitgeber mitprofitieren. Und sie bekommen einen Ersatz für die nicht mehr finanzierbaren direkten Betriebspensionen. Die Beiträge der Arbeitgeber in die Pensionskassen erscheinen attraktiver als Lohnerhöhungen, weil sie frei von Lohnnebenkosten sind. Seit Jahren aber gehe es bei den Pensionskassen prozentuell nach unten. Dass nun wieder gute Gewinne gemacht wurden, wird durch stärker gestiegene Lebenserwartungen geschluckt. Die Pensionskassen müssen ihr Kapital auf längere Zeit strecken. Reiter würde statt Neueintritten in Pensionskassen ein Umschichten betrieblicher Zahlungen auf Bildungsangebote empfehlen.

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