Durch die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche wird die viele gute Arbeit der Kirche in den Schatten gestellt. In der Diözese Linz will man alles tun, damit das Vertrauen wieder Boden gewinnt.
Die Mitarbeiter/innen der Kirchenbeitragsstellen haben auch sonst im März besonders viel zu tun. Ein großer Teil der Kirchenbeitragsvorschreibungen für das Jahr 2010 ist draußen. Die Missbrauchsvorfälle im Bereich der Kirche lassen zusätzlich viele zum Hörer greifen. Sie geben ihrer Enttäuschung Ausdruck, manche lassen ihre Wut an den Mitarbeiter/innen aus. Es muss eine merkliche Veränderung in der Kirche geben, sagen sie, sonst folgt der Austritt. Diözesanökonom Mag. Reinhold Prinz schilderte vor Oberösterreichs Dechanten am Donnerstag der Vorwoche bei deren Frühjahrskonferenz, wie es zurzeit in den Beitragsstellen zugeht. Viele Katholik/innen hätten den Zahlschein nun an der Pinnwänden hängen und warten einmal ab, ob sie ihren Beitrag einzahlen werden. In der Diözese will will man alles tun, damit die Mitglieder die Kirche nicht „hängen lassen“.
Glaubwürdigkeit wiedergewinnen. „Wir haben ein riesiges Glaubwürdigkeitsproblem.“ Das betonte auch Generalvikar Severin Lederhilger. Falsche Rücksichtnahme „unter Mitbrüdern“, wie sie früher der Fall war, gibt es nicht mehr, betonte er. Was strafbar ist, wird auch angezeigt. Das ist in Oberösterreich, so wie auch in Wien, bereits seit dem Jahr 1996 so gewesen, als die unabhängige Kommission gegen Missbrauch und Gewalt eingerichtet wurde. Zu Beginn dieser Woche wurde die Ombudsstelle für Missbrauchsopfer verstärkt, um die anhängigen Fälle rasch bearbeiten zu können. Bis Montag haben sich hier 79 Personen gemeldet, dazu gab es elf anonyme Eingaben. Die Mehrzahl betrifft die bekannten Fälle von Kremsmünster. Selbstverständlich stehen Betroffenen auch nichtkirchliche Anlaufstellen zur Verfügung, betont Lederhilger. Auch mit diesen wolle man zusammenarbeiten. Manche haben eine Scheu, sich mit ihren schlimmen Erfahrungen bei der Kirche zu melden.
Den Ursachen nachgehen. Am17. März hatte unter Vorsitz von Bischof Dr. Ludwig Schwarz der Priesterrat seine routinemäßige Frühjahrstagung gehalten. Man sei betroffen und beschämt über das Leid, das den Opfern zugefügt wurde, heißt es in einer Erklärung. Der Priesterrat distanzierte sich von den Missbrauchs-Taten, begrüßte zugleich den eingeschlagenen Weg der offenen Aufarbeitung und gegebenenfalls der Strafverfolgung der Täter. Notwendig sei Ursachenforschung. In der Erklärung hieß es weiter: „Durch unentschuldbare Gewalt- und Missbrauchshandlungen einzelner Priester wird die segensreiche Arbeit fast aller in der Seelsorge Tätigen und der kirchlichen Einrichtungen in Frage gestellt.“ Der Priesterrat verweist auf die vielen guten Dienste, die durch Priester und kirchliche Mitarbeiter/innen geleistet werden.Bischof Ludwig Schwarz nahm letzte Woche mehrmals Stellung. Besonders schwerwiegend seien die Vorfälle in den Internaten, weil hier ein Naheverhältnis ausgenutzt wurde. Er versprach, dass man alles tun wolle, um den Opfern gerecht zu werden – und damit ein guter Neubeginn möglich wird. Die Gläubigen bittet der Bischof, für das Gelingen dieses Neubeginns zu beten. Schwarz ist mit dem Priesterrat einer Meinung: Durch eine überzeugende Aufklärungsarbeit und die Verbesserung von Vorbeugungsmaßnahmen sowie die strikte Einhaltung eines beruflichen Verhaltenskodex soll sichergestellt werden, dass das verlorene Vertrauen wiedergewonnen wird. Die diözesane Frauenkommission will in einer ehrlichen Auseinandersetzung Frauen auf allen Ebenen eingebunden wissen.
Gegen Pauschalvorwürfe. Vielen Katholik/innen bringen ihre Sorgen zum Ausdruck, auch am KirchenZeitungs-Telefon. Viele wehren sich gegen Pauschalurteile, dass Missbrauch in der Kirche gang und gäbe wären. Dass Kirche sich geändert habe, werde dabei nicht gesehen. Viele sagen auch: Um Glaubwürdigkeit zu gewinnen, braucht es einen offenen Umgang mit dem Thema Sexualität. Manche fragen auch: Wie geht man in den Klöstern mit den Missbrauchs-Tätern um? „Sie gehören trotzdem zu uns“, sagt ein Ordensmann aus dem Stift Kremsmünster. Auch in einer Familie würde man einen derart schuldig Gewordenen nicht einfach ausschließen. Doch auch in den Klöstern gilt: „Unsere erste Sorge gilt den Opfern. “