Regens Johann Hintermaier über „das Menschliche als Basis für den Priesterberuf“
Ausgabe: 2010/14, Regens, Hintermaier, Priesterberuf, USA, Priesterausbildung, fromm, Missbrauchsfälle jahrdespriesters
13.04.2010
- Josef Wallner
In der Missbrauchsdebatte werden neue Standards in der Priesterausbildung gefordert. Regens Johann Hintermaier gibt einen Einblick in die Ausbildung und erzählt von seinen Beobachtungen in den USA.
Im Sommersemester 2003 war Regens Johann Hintermaier an die San Tom University (Houston, Texas) eingeladen, um Vorlesungen im Neuen Testament zu halten. Damit er dort unterrichten durfte, musste er im Vorfeld sehr persönlich gehaltene Fragebögen über seine Lebensführung ausfüllen. Ebenso das Bischöfliche Ordinariat in Linz über ihn. In Houston angekommen wurde er vor Beginn seiner Arbeit nochmals befragt. Mit seiner Unterschrift bestätigte er, dass er sich an die ganz konkreten Vorschriften halten würde, die den Umgang mit Menschen regeln. Vor allem das Verbot von Einzelkontakten mit Kindern war wichtig. Nach der Welle von Missbrauchsfällen sind die amerikanischen Diözesen sehr rigoros – all ihren Priestern und auch Seminaristen gegenüber. So hat jeder Seminarist jedes Semester ein intensives Gespräch mit dem Regens, bei dem auch ein Psychologe anwesend ist.
Menschlich reifen. So stark an der Psychologie orientiert wie in den USA ist die Priesterausbildung in Österreich nicht, aber sie hat ihren Platz, erklärt Regens Hintermaier: „Fromm tun allein genügt nicht. Das haben wir von den USA gelernt.“ Wer den Priesterberuf anstrebt, muss eine menschlich gesunde belastbare und zur Kommunikation fähige Persönlichkeit sein. „Kein fehlerloser Übermensch“, stellt der Regens klar, aber das Menschliche als Basis ist unverzichtbar. Die Zeit der Ausbildung bietet Hilfen zum persönlichen Wachsen und Reifen. Das ist vor allem das Propädeutikum, ein Jahr der Vorbereitung und Klärung für alle Interessenten am Priesteramt, bevor sie das Theologiestudium beginnen. Seit dem Jahr 2000 schicken alle österreichischen Diözesen ihre Kandidaten in das niederösterreichische Horn. Neben der Einübung in das geistliche Leben stehen ein Sozialpraktium am Programm und natürlich persönlichkeitsbildende Kurse über Sexualität und Kommunikation. „Es geht darum, wie man die Nachfolge Jesu leben kann, ohne das Menschliche zu überspringen“, so Regens Hintermaier. Zurzeit absolvieren 14 Männer das Propädeutikum im Canisiusheim Horn, zwei davon aus Oberösterreich.