Zwei Verkehrsthemen werden derzeit heiß diskutiert: Der geplante Linzer Westring (A26) und das Liebäugeln der ÖBB mit einer teilweisen Einstellung der Mühlkreisbahn. Die Grundsatzfrage ist: Wofür steht eher Geld bereit: für den Individualverkehr (Straße) oder den öffentlichen Verkehr?
Die Verkehrsplanung müsse die Mobilitätsbedürfnisse auch jener Verkehrsbeteiligten berücksichtigen, die nicht mit dem Auto fahren (können, dürfen, wollen), hieß es in der Einladung zum Mobilitätstag im Diözesanhaus am 12. April. Werde vorwiegend auf den Individualverkehr gesetzt, sind diese aber vom Sozialleben ausgeschlossen.
Pendler entlasten oder Fernverkehr anziehen? „Die A 26 Westring Linz inklusive 4. Donaubrücke ist das zentrale Infrastruktur-projekt für Linz und das Mühlviertel. 80 % der Bewohnerinnen und Bewohner des Zentral-raumes Linz und des Mühlviertels sagen Ja zu dieser wichtigen Infrastruktur-Verbindung“, argumentiert Straßenbaureferent Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl. Der Westring entlaste den innerstädtischen Verkehr und verringere die Stauprobleme für Anrainer und Pendler. Deshalb werde die A 26 Westring Linz inklusive 4. Donaubrücke errichtet, der Baubeginn ist für das Jahr 2011 angestrebt. Der Westring soll aus drei Teilen bestehen: Südteil, Donaubrücke, Nordteil. Die Vorarbeiten sind bereits weit gediehen, am wenigsten beim Nordteil. Und es gibt Widerstand: Sechs Bürgerinitiativen haben insgesamt 12.500 Einwendungs-Unterschriften gegen das Westring-Projekt gesammelt. Sie argumentieren unter anderem, dass der Westring nicht den Pendlern helfe, sondern den Nord-Süd-Transit in der EU bediene.
Die Öffis attraktiver machen. Pastoralamt und Caritas der Diözese Linz haben im Rahmen ihres Mobilitätstages gefordert, dass auf wichtigen Strecken die Öffis an allen sieben Tagen der Woche im Stundentakt von 5 bis 23 Uhr fahren. So könne man Menschen bewegen, auf Öffis umzusteigen. Die ÖBB spekulieren dagegen mit dem Einstellen des Schienenverkehrs von Rottenegg bis Schlägl. Die Schiene werde hier zu wenig genutzt. Verkehrslandesrat Dr. Hermann Kepplinger nannte diesen Vorstoß der ÖBB „unerfreulich“. Die ÖBB müsse „bei der Analyse des Fahrgastaufkommens besonders auch die mangelnde Attraktivität durch die Langsamfahrstellen mitbedenken.“ Ein Zug von Linz nach Schlägl ist wegen der vielen Langsamfahrtstrecken mittlerweile länger unterwegs als von Linz bis Wien! Auf insgesamt sieben Kilometer könne der Zug überhaupt nur 20 km/h fahren.
Busse ergänzen die Schiene, sie ersetzen sie nicht. Der Verkehrsclub Österreich VCÖ plädiert für den öffentlichen Personenverkehr. Dieser ist in Österreich im EU-Vergleich mit 23 Milliarden Personenkilometern gut ausgebaut, wobei ein/e Österreicher/in pro Jahr im Durchschnitt 1.250 Kilometer mit der Bahn fährt. Aber immerhin fehle jeder vierten Person eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Der VCÖ warnt: „Erfahrungen zeigen, dass nach Einstellung von Bahnlinien die Fahrgäste viel stärker auf das Auto als auf den Bus umsteigen.
Zusätzlicher Verkehr. Das Straßenbauressort prognostiziert eine deutliche nachhaltige Verringerung des innerstädtischen Verkehrs. Die Umweltanwaltschaft spricht dagegen davon, dass die A26 keinesfalls die Einfahrtsstraßen entlasten werde, „im Gegenteil, diese Straßenzüge werden um bis zu 33% (gegenüber dem Jahr 2005) zusätzlich durch den von der A26 induzierten Verkehr belastet.“ Das Lebensministerium bewertet in einem Kosten-Nutzen-Vergleich die Westring-Investition an der Grenze der Realisierungswürdigkeit.
1,6 Millionen Jahreskarten. Was der Westring kosten wird? – Das Ressort von Landeshauptman-Stellvertreter Hiesl spricht von 527 Millionen Euro, die Westring-Gegner sprechen von Kostenexplosionen und bis zu einer Milliarde Kosten. Dem halten sie entgegen, was die öffentliche Hand statt des Westrings finanzieren könnte. Sie könnte zum Beispiel 1,6 Millionen Jahreskarten für den Öffentlichen Verkehr verschenken oder 17.500 Klein- und Mittelbetriebe in den Regionen fördern oder 1,9 Millionen Studentinnen und Studenten von den Studiengebühren befreien.