Seit drei Monaten ist Mag. Reinhold Prinz „Finanzminister“ in der Diözese Linz. Die Kirchenaustrittswelle im Zuge der Missbrauchsfälle spitzt auch die Finanzsituation zu.
Noch gibt es keine verlässlichen Zahlen und Analysen über die jüngste Kirchenaustrittswelle, die nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle in ganz Österreich eingesetzt hat. Das Vertrauen vieler Menschen wurde erschüttert. Die Austritte spitzen auch die Finanzlage der katholischen Kirche zu.
Austrittswelle vor allem am Land. Die jüngste Kirchenaustrittswelle hat sich vor allem in den ländlichen Gebieten Oberösterreichs abgespielt, deutlich weniger in den Städten, stellt Diözesanökonom Prinz fest. Die Einstellung zu Glaube und Kirche dürfte sich in bisherigen katholischen „Kerngebieten“ besonders stark verändert haben. Die allgemeine Bevölkerungsentwicklung ließ schon ohne Krise weniger Kirchenbeitragsaufkommen erwarten. Einkommensstarke Jahrgänge gehen in Pension, eine viel kleinere Generation an Katholik/innen rückt nach. Die Austritte verschärfen nun diese Situation. In welchem Ausmaß, das wird sich wohl erst am Ende des Jahres feststellen lassen. Knapp 75 Millionen Euro zahlen die Oberösterreicher/innen jährlich an Kirchenbeiträgen. Das macht 86 Prozent der kirchlichen Finanzmittel aus.
Kirche ist nicht „reich“. „Natürlich haben wir auch Immobilien“, meint Reinhold Prinz. Aber das bedeutet nicht Reichtum, sondern bringt vor allem Verpflichtungen. Der „Hauptbesitz“ der Kirche sind die Kirchen samt den Kunstgegenständen, die es auch im Interesse des Landes zu erhalten gilt. Aus anderen Immobilien kann die Diözese Linz zurzeit einen Betrag von jährlich 0,7 Millionen Euro vor allem aus Mieten und Pachtzins erwirtschaften. Anders als etwa die Diözese Graz-Seckau besitzt die Diözese Linz keine großen zusammenhängenden Waldgebiete. Viele kleine Wälder oder Grundstücke, bedeuten als „Pfarrpfründe“ eine gewisse Sicherstellung für Pfarren selbst. Es wäre unverantwortlich, diese Besitzungen einfach zu verkaufen, meint Reinhold Prinz. Mit Erträgen aus Besitzungen soll der Rückgang beim Kirchenbeitrag zumindest zum Teil ausgeglichen werden.
Ethische Geldveranlagung. Ihr gesamtes Finanzvermögen legt die Diözese nach Kriterien der „Ethischen Geldveranlagung“ an. Das bedeutet: Es wird darauf geachtet, dass mit Kirchengeld nirgendwo etwa Waffenhandel, Kinderarbeit oder Dinge, die der kirchlichen Morallehre widersprechen, mitfinanziert werden.
Neue Bauordnung. Einsparen will die Diözese Linz beim Bauaufwand. 2009 machte dieser 16 Millionen Euro aus. Eine neue Bauordnung wird auf den künftigen Bedarf abgestimmt. Pfarrhöfe und Pfarrheime sollen dem tatsächlichen Bedarf entsprechen – damit man sich später auch die Betriebskosten leisten kann.
Mitsprache beim Kirchenbeitrag. Schon jetzt ist es möglich, dass Katholik/innen 50 Prozent ihres Kirchenbeitrages für bestimmte Projekte widmen. Diese Angebotspalette will der Diözesanökonom künftig erweitern. Deutlicher soll den Beitragszahler/innen bewusst werden, wofür ihr Geld verwendet wird, etwa in der eigenen Pfarre.
Keine Kündigungen. „Wenn wir sorgfältig planen, wird es in der Diözese zu keinen Kündigungen bei Mitarbeiter/innen kommen“, ist Prinz zuversichtlich. In den beiden „Krisenmonaten“ März und April hat er selbst erfahren, was gute Mitarbeiter/innen wert sind. „Unsere Leute in den Kirchenbeitragsstellenhaben Großartiges geleistet“, sagt er. Es kommt nicht nur auf eine professionelle Leitung an, sondern genauso auf gute Mitarbeiter/innen.
Zur Sache
Das Einkommen der Kirche
74,8 Millionen Euro machte 2008 das Kirchenbeitragsaufkommen in Oberösterreich aus. Das sind rund 86 Prozent der Gesamteinnahmen von 86,7 Millionen Euro. Von den restlichen 14 Prozent stammen 8 Prozent aus Staatsleistungen, 6 Prozent (5,2 Miollionen Euro) aus Erlösen aus Besitzungen, Wertpapiererträgen und sonstigen Leistungserlösen.Mehr als die Hälfte des Kirchengeldes wird für die Pfarren verwendet.