Das Ganze im Blick haben, wollen die Biobauern. Das bedeutet, nicht nur gesunde Nahrungsmittel zu produzieren, sondern für einen gesunden Boden, sauberes Wasser und verträgliches Klima zu sorgen und die Vielfalt der Arten und Lebensräume zuerhalten.
Am Biohof Edlmayr in Niederneukirchen präsentierte BIO Austria Oberösterreich am 21. April Vorschläge für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU. Dabei geht es wesentlich auch darum, wie die EU die Landwirtschaft fördert.
Alles hängt mit allem zusammen. Die GAP wird 2013 neu geordnet. Jetzt schon Vorschläge in die Diskussion zu bringen, ist wichtig. In Wien hat BIO AUSTRIA Österreich den Alternativnobelpreisträger Hans-Peter Dürr zu einem Vortrag eingeladen. Dürr ist mit Pugwash International 1995 zudem Friedensnobelpreisträger. „Aufs Ganze schauen“ ist für ihn, den Physiker, notwendig, weil alles mit allem untrennbar zusammenhänge. Die Schöpfung lasse sich nicht mehr als nur hochkompliziertes System beschreiben. Sie sei ein „reines Beziehungsgefüge, bei dem man nicht mehr von Teilen, sondern von Teilhabenden und Mitwirkenden sprechen kann“, sagt Dürr.
Tiere als Mitarbeiter. Aus diesem Verständnis heraus beschreibt Stefan Edlmayr, Obmann-Stellvertreter von Bio Austria Oberösterreich, bei der Pressekonferenz auf dem Hof seiner Familie, wie und warum Biobauern aufs Ganze schauen: Auf den Äckern und Wiesen eines Biobetriebes leben 30 bis 50 Prozent mehr Arten. Die biologisch bewirtschafteten Flächen sind für die Bienen förderlich. Was die Bienen weltweit für die Landwirtschaft leisten, ist 30 bis 60 Milliarden Euro wert. Der Boden ist überhaupt das wichtigste Thema. Bio-Landwirtschaft baut Humus auf – durch Abwechslung im Anbau, Wechsel unterschiedlicher Früchte, die den Boden bereichern und auch fordern. Das Grundwasser wird kaum belastet. Nicht die Pflanze wird gedüngt, sondern der Boden. Guter Humus bindet 400 Kilogramm CO2 pro Hektar und Jahr. Stefan Edlmayr, ein Bio-Schweinemäster, spricht von Mitarbeitern, wenn er von den Tieren spricht. Und er meint damit ganz besonders auch die Tiere im Boden.
Tiere als Mitarbeiter. Die europäische Agrarpolitik müsse eine ganzheitlich denkende biologische Wirtschaftsweise stützen, die dieses Zusammenhängen von allem mit allem bedenke. Eine Landwirtschaft, die nicht nur sehr produktiv ist, sondern auch gesunde Lebensmittel erzeugt, Vielfalt sichert, Boden aufbaut, Umwelt und Klima schont und nachhaltig wirtschaftet.
Stichwort
Landwirtschaft
In Österreich gibt es ca. 185.000 land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Sie produzieren nicht nur Nahrungsmittel, sondern leisten auch viele Dienste zur Erhaltung von Naturraum und Kulturlandschaft. Hochrechnungen sprechen davon, dass allein in Oberösterreich die Grünlandpflege durch Landwirte 154 Millionen Euro kosten würde.
Konsumenten
Die breite Öffentlichkeit schätzt die Leistungen der Bauern zur Erhaltung der Lebensqualität hoch ein. Die Bereitschaft aber, mehr für regionale Herkunft zu zahlen, ist gering. „Die Konsumenten sehen ihre Verantwortung gegenüber der heimischen Landwirtschaft nicht.“ Dieses Studienergebnis referierte Werner Beutelmeyer vom market Institut beim Landesbauernstammtisch am 12. April in der Raiffeisenlandesbank.
Bio-Landwirtschaft
In Oberösterreich gibt es derzeit 4.066 Bio-Betriebe, die 72.000 Hektar bewirtschaften. Überdurchschnittlich nimmt die Zahl der Biobetriebe im Ackerbau zu. Die meisten Biobetriebe gibt es in den Bezirken Freistadt, Rohrbach und Urfahr-Umgebung.
Bio-Produkte
Der Marktanteil der Bioprodukte beträgt in Österreich etwa 6 Prozent. In fast allen Bio-Produktgruppen gab es 2009 Umsatzsteigerungen, besonders bei Frischmilch, hocherhitzter Milch, Fruchtjoghurt, Butter und Erdäpfeln, aber auch bei Käse, Obst und Gemüse. In Oberösterreich wurden im vergangenen Jahr 66,57 Millionen Kilogramm Biomilch geliefert. Das sind ca. 7,7 Prozent der gesamten gelieferten Milch. Stark entwickelte sich der Anteil der Diskonter am Bio-Markt. Ende des Jahres 2009 wurden schon 37 Prozent der Bio-Umsätze von Diskontern verbucht.