Rund 280 Gäste nahmen am 15. Mai an der Verleihungsfeier des Solidaritätspreises der KirchenZeitung im Steinernen Saal des Landhauses teil.
„Das hätte ich nie erwartet – dass ich als Evangelischer einen Solidaritätspreis der KirchenZeitung bekomme“, – so Dipl.-Ing. Ernst Huber aus Bachmanning, Umweltbeauftrager der Evangelischen Kirche A.B. in Oberösterreich. Den Preis hat er für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement um die Erhaltung eines gesunden Bodens bekommen – als Aktivist gegen Atomkraftwerke, und als Kämpfer gegen eine Sondermülldeponie in Bachmanning. Dieser Preis, sagte er bei der Verleihung, ist für ihn „wie der Nobelpreis“. Huber, der auch für Frieden und Aufarbeitung der NS-Vergangenheit aktiv ist, ist einer von neun Preisträger/innen (Seiten 6/7).
Menschen sind der größte Schatz. Die Spitze der Landesregierung – Landeshauptmann Josef Pühringer und Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Ackerl sowie Bischof Ludwig Schwarz stellten sich einer Gesprächsrunde. „Der größte Schatz unseres Landes sind die vielen guten Menschen“, betonte Pühringer – die Menschen, die nicht wegschauen, sondern hinschauen, wenn Hilfe nötig ist. Die Zahl der Menschen, deren Einkommen nicht für das Auskommen reicht, steigt, betonte Josef Ackerl. Heute sei es für viele Reiche leichter, mit wenig Arbeit zu viel Geld zu kommen, als für Arme, die für viel Arbeit nur wenig Geld bekommen. Bischof Ludwig Schwarz verwies auf das Sozialwort der christlichen Kirchen und betonte, dass es doch sehr viel erfreuliches solidarisches Engagement in den Pfarren sowie für die Entwicklungsländer gibt. Pühringer verwies auf den einstimmigen Beschluss der Landesregierung, wonach das Sozialbudget in Oberösterreich jährlich um den doppelten Betrag der Lohnabschlüsse für den öffentlichen Dienst erhöht werde. Ackerl forderte den Bund auf, hier höhere Beiträge zu leisten.
Vielfältiges Engagement. Wie vielfältig Solidarität sein kann, davon zeugen die heurigen Preise. So haben Firmenleitung und die Mitarbeiter/innen der Pecho-Druck GmbH trotz der harten Konkurrenz im Druckgewerbe es ermöglicht, dass die in der Firma beschäftigten Menschen mit Beeinträchtigungen alle bleiben können. Für sie wäre es sehr schwierig gewesen, anderswo Arbeit zu finden.
Wie ein Ritt auf zwei Pferden. Valerie Buchinger aus Rohrbach, ehemals Religionslehrerin, wurde für jahrzehntelanges soziales Engagement in Pfarre und Gemeinde ausgezeichnet. Sie ist außerdem enagiert in der Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialismus. „Da kam ich mir oft vor wie eine Zirkusartistin, die auf dem Rücken zweier Pferde steht – Kirche und Sozialismus – und hofft, dass die beiden Pferde sich nie zu weit voneinander entfernen“, meinte sie. Vielfältig sind auch die Jugendprojekte. Jugendliche aus Bad Zell pflegen den Kontakt mit den Asylwerber/innen. Eine Jugendplattform kämpft gegen rechtsradikale Entwicklungen. Wieder andere haben sich ein Projekt für langzeitarbeitlose Jugendliche einfallen lassen. Berührend auch Leopold Plakholb aus Linz. Er ist blind. Jedes Jahr zwischen April und Oktober holt ihn der Linzer Josef Kastner in Wilhering ab – dann geht es mit dem Tandem – je nach Wetter – quer durch Oberösterreich. „Er ist mein bester Freund, den geb’ ich nicht mehr her!“, sagt Plakholb über seinen Tandem- Partner und nunmehrigen Preisträger Josef Kastner. Dieser will seinen Freund auch nicht im Stich lassen. Fit genug fühlt er sich ja.
Im Landhaus. Josef Kastner und Leopold Plakholb eröffneten auf dem Tandem die Solidaritätspreis-Feier (Bild). Das Preisgeld von insgesamt 18.000 Euro für die neun Preise wird zum größeren Teil (10.000 Euro) vom Sozialressort des Landes OÖ gestiftet, 8.000 Euro trägt die Diözese Linz dazu bei. Insgesamt wurden heuer 155 Vorschläge für den Preis eingereicht. Zum Gelingen des Festes trugen auch die Akkordeonvirtuosen Yova Serkova und Andrej Serkov bei.
Der nächste Solidaritätspreis wird im Oktober 2010 ausgeschrieben.