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Das hält die Kirche aus

Zu Fronleichnam wird der Glaube öffentlich gezeigt. Eine Demo fordert tags davor Reformen ein.
Ausgabe: 2010/22, Demonstration, Demo, Jugend, Glaube, Fronleichnam, Katholische Aktion
02.06.2010
- Paul Stütz
Mit einem Lied und einer Demo soll der Vatikan „konstruktiv kritisiert“ werden, sagt die Katholische Jugend.
Während traditionell orientierte Katholiken unerlaubte Proteste orten, wird die Initiative von der Mutterorganisation Katholische Aktion begrüßt.


„Hallo Rom – wieso nimmst du nur alte, graue Männer wirklich ernst?“ Kritische Anfragen wie diese finden sich in dem Protestlied „Hallo, Rom“, das via Nuntius an den Vatikan geschickt werden soll. Zu Pfingsten hat die Katholische Jugend ihre Initiative gestartet (die KirchenZeitung berichtete). Es gibt bereits über 200 Strophen. „Das zeigt, dass der Jugend Kirche nicht egal ist“, meint Stefanie Poxrucker, Landesvorsitzende der Katholischen Jugend.
Einen Tag vor Fronleichnam soll nun der Protest in Linz in einer Demo gipfeln. „Nicht zu allem Ja & Amen sagen“, ist das Credo. Die Initiator/innen wollen damit „konstruktive Kritik“ am Vatikan üben und Reformen einfordern: etwa mehr Rechte für Frauen in der katholischen Kirche und die Öffnung des Priesteramts. Ein Motivationsschub sei auch, dass die Proteste rund um die Ernennung des Weihbischofs Wagner Früchte gezeigt hätten. Betont wird zudem, dass der Protest rein ehrenamtlich getragen ist. Das sei ein Vorteil, wie Stefanie Poxrucker sagt: „Man kann so freier reden.“

„Demonstration nicht der richtige Weg“. Skeptisch über „Hallo Rom“ äußert sich die eher konservativ gesinnte Jugendbewegung Loretto. „Eine Demonstration auf der Straße ist nicht der geeignete Ort für eine Diskussion über kirchliche Strukturreformen“, sagt Mark Zechiel, Linzer Regionalleiter der Bewegung. „Hallo Rom“ vermittle zu wenig Positives von der katholischen Kirche.
Deutlich schärfer ist der Ton in konservativen Internetforen. Dort wird der Protestsong vorwiegend als „antirömische Netzbeschmutzung“ gesehen. Dabei schwingt mit, dass Protestadressen an den Vatikan gänzlich verboten seien. Anders äußerte sich dagegen das Publikum des Speakers Corner der KirchenZeitung (siehe Spalte rechts). Kritik an Rom darf sein, meint zum Beispiel die Linzerin Adelheid Hartmann. „Die Kirche hält das aus“, ist sich Hartmann sicher. Nicht der Protest sei ungehörig, sondern wenn der gegenseitige Respekt fehle. „Manche der Erzkonservativen können keinen Dialog führen.“

Kein Aufruf zur Demo. Margit Hauft, Präsidentin der Katholischen Aktion Oberösterreich, signalisiert unterdessen Rückendeckung für „Hallo Rom“. Zur Demo aufrufen will sie allerdings nicht. Diese sei eher eine Form, die der Jugend entspreche. Insgesamt sieht sie die Proteste als Hoffnungszeichen. Hauft: „Es wird nicht sofort etwas verändern. Aber immerhin bewegt sich etwas in der Kirche.“




Kirchenprotest und Kirchenrecht

Das Kirchenrecht sieht es als Recht und Pflicht der Gläubigen, Meinungsfreiheit zu leben. Gläubige sollen ihre „Anliegen und Wünsche, insbesondere die geistlichen, den Hirten der Kirche eröffnen“.

(Kanon 212 § 2 des kath. Kirchenrechts)




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