Ausgabe: 2010/34, Kalkutta, Kallham, Josef Wallner, Mutter Teresa, Anekdote, Theologie,
25.08.2010
- Josef Wallner
Schon zeitlebens wurde Mutter Teresa wie eine Heilige verehrt. Wo das Elend am drückendsten und der Dreck am abstoßendsten war, dort ist sie hingegangen, um zu waschen, Wunden zu verbinden und ein gutes Wort zu bringen. Hunderttausende, vielleicht sogar Millionen Menschen bewundern sie, fügen aber sofort den Satz an: Das könnte ich nie. Diese Reaktion ist verständlich, Mutter Teresa und ihre Schwestern spielen in einer anderen Liga. Die Verehrung und Bewunderung dürfen aber zu keinem Schlupfloch werden, sich vor den Herausforderungen zu drücken, vor die jeder und jede gestellt ist – ob in Kalkutta oder in Kallham. Mutter Teresa selbst hat das immer wieder betont: „Ihr braucht gar nicht nach Kalkutta zu kommen, um Jesus in den Ärmsten zu entdecken. Die Ärmsten sind direkt dort, wo ihr seid, sehr oft in euren eigenen Familien. Sucht sie, findet sie und liebt sie, indem ihr eure Liebe zu Jesus in praktischen Taten der Liebe in eurem Leben sichtbar werden lasst.“ Für Mutter Teresa bleibt Jesus Vorbild und Bezugspunkt. In dem Buch, das Leo Maasburg über seine Erlebnisse mit Mutter Teresa verfasst hat, findet sich die köstliche Anekdote. Ein Kritiker meinte, dass Mutter Teresa mit ihrer Theologie 200 Jahre zurück sei. Sie erwiderte lächelnd: „Nein, 2000 Jahre.“