In meiner Familie wird der Na-menstag ebenso groß gefeiert wie der Geburtstag, und so habe ich meinen Namen von früher Kindheit an sehr bewusst wahr-genommen. Es war damals ein Modename. Aber das war für meine Eltern nicht das Entscheidende. Sie wollten mir ein religiöses Programm mitgeben. Mein Taufpfarrer, ebenfalls mit Vornamen Michael, hatte wenige Jahre vor meiner Geburt an seinem Pfarrhof eine selbst in Stein gehauene Michaelsfigur angebracht und diese mit der deutschen Übersetzung des Namens Michael versehen: „Wer ist wie Gott?“ Jedes Mal, wenn ich als Kind an dieser Figur vorbei in die Kirche ging, rührte mich diese Frage an: Ja, wer kann sich mit Gott vergleichen oder an die Stelle Gottes setzen? Heute sehe ich gerade als Moraltheologe, wie viele Menschen und Institutionen vergöttert werden und sich vergöttern lassen. Und ich möchte dazu beitragen, dass Menschen menschlich und irdisch bleiben – damit die Größe Gottes nie vergessen wird.
Prof. Dr. Michael Rosenberger lehrt Moraltheologie an der KTU Linz.