Die erste Linzer Tiertafel unterstützt Menschen und Tiere in Notlagen
Ausgabe: 2010/39, tierwelt, Tiertafel, Notlage, Schöpfung, Schöpfungsverantwortung, Katzen, Kirche
29.09.2010
- Elisabeth Leitner
Die Liebe zu Tieren und Menschen hat die Pfarre Linz-St. Peter zur Gründung der 1. Linzer Tiertafel veranlasst, die nun am 3. Oktober eröffnet wird. Der Fachausschuss „Schöpfungsverantwortung“ bietet den Rahmen für diese Initiative, die Menschen und Tieren in Krisenzeiten helfen will.
Katzen wuseln durch die Gänge und besetzen die Pfarrkanzlei. Zum Gespräch mit den Mitgliedern des Fachausschusses gesellen sich auch die Pfarrhof-Katzen Louise und Max, sie beobachten still die Szenerie. Wie es zur Gründung der 1. Linzer Tiertafel in der Pfarre kam, erzählen die pfarrlich organisierten Tierliebhaber/innen, die kurz vor der Eröffnung des Projekts stehen. Thomas Mikina organisiert für die Pfarre seit Monaten Futterspenden, er hat selbst drei Hunde – und die Liebe zu Tieren hat ihn auch zur Pfarre gebracht. „Kinder lernen Verantwortungsgefühl. Ältere Leute sind nicht allein, wenn ein Haustier da ist“, hält Susanna Krallitsch den liebevollen Umgang mit Tieren für wichtig. Krallitsch ist Mesnerin und Mitglied im Fachausschuss. Auch ihre Tochter Elisabeth engagiert sich dort und fördert zudem das vegetarische Essen bei Pfarrfesten.
Lebenswelt der Menschen. Wahrnehmen, was ist – so lautet die Devise von Pfarrer Mag. Franz Zeiger. Dass es viele Tierbesitzer im Pfarrgebiet gibt, die mit ihrer Welt in der Kirche nicht vorkommen, hat ihn nachdenklich gestimmt. Er möchte diesen Menschen in der Kirche Raum geben. Die jährlich stattfindende Tiersegnung am Festtag des hl. Franz von Assisi brachte Menschen in die Pfarre, die sonst selten zu sehen sind. Und auch ihre Lebensgeschichten fanden plötzlich Platz. Es fiel auf: Viele Tierbesitzer haben nur ein geringes Einkommen. Wenn das Tierfutter knapp wird, die Tierarzt-Rechnungen nicht mehr zu bezahlen sind, droht Menschen in sozialer Notlage auch noch der Verlust des geliebten Tieres. Dass Haustiere vor Einsamkeit schützen, soziale Kontakte ermöglichen und für einen geordneten Lebensrhythmus sorgen, ist bekannt. Doch kann die Kirche zum Umgang mit Tieren auch theologisch etwas beitragen? „Die Bewahrung der Schöpfung ist ein Grundauftrag der Kirche. Wie der Mensch mit der Schöpfung und den Tieren umgeht, ist ein Gradmesser für den Wert des Lebens in der Gesellschaft“, sagt Zeiger und ergänzt: „Der entmenschlichte Mensch ist unser Problem, nicht die Vermenschlichung der Tiere.“
Ja zur Schöpfung. Der Fachausschuss will zum einen dieses Ja zum Leben und zur Schöpfung Gottes in den Köpfen der Menschen verankern und zum anderen konkret helfen. Jede Woche öffnet nun die 1. Linzer Tiertafel – „Tierlichtblick“ genannt – am Dienstag von 17 bis 18 Uhr seine Pforten. Unterstützung gibt es für jene Tierbesitzer/innen, die sozial bedürftig sind und dies auch nachweisen können. Das Angebot gilt nicht nur für Pfarrbewohner/innen, sondern für alle, die in der Diözese Linz Hilfe brauchen.
- 3. 10., 9.15 Uhr: Tiersegnung mit Eröffnung von „Tierlichtblick“, Info: Tel. 0680/118 22 18.
Kommentar
Kühe und Hühner in der Theologie
Vor wenigen Monaten wurde das weltweit erste Institut für Theologische Zoologie an der Hochschule der Kapuziner in Münster gegründet. Geleitet wird es von dem katholischen Priester und studierten Biologen Rainer Hagencord. Im August 2010 fand der erste Kirchentag „Mensch und Tier“ in Dortmund statt. – Was ist passiert, dass Tiere plötzlich in bislang recht sicher umzäuntes theologisches Weideland eindringen können? Im Bereich der Ethik haben die Tiere durchaus seit längerem ihren Platz, zwar nicht übetrieben groß, aber immerhin. Die Ablehnung von qualvoller Massentierhaltung und leidvollen Tiertransporten stehen außer Frage – wenn es hier weltweit gesehen noch viel zu tun gibt. Das ist auch die eine Stoßrichtung von Hagencords Institut: dass Christen ihr Engagement für die Bewahrung der Schöpfung verstärken, mit besonderem Blick auf die Situation der Tiere. Denn kaum jemandem fallen die Tiere ein, wenn man vom Einsatz für die Umwelt spricht. Da decken die Co2-Wolken all zu vieles zu. Hagencord möchte aber tiefer gehen. In allen Schriften der Bibel tummeln sich die Tiere, in den Schriften der Theologen sucht man sie vergeblich, beklagt der Biologen-Priester und mahnt mit dem Hinwies auf den Kirchenlehrer Thomas von Aquin: „Jeder Irrtum über die Geschöpfe mündet in ein falsches Wissen über den Schöpfer und führt den Geist des Menschen von Gott fort.“ Eine Ansage, die Sprengstoff in sich birgt. Wer nicht mit Ehrfurcht behandelt, was lebt, der kann Gott nicht als den erfassen, der er ist: ein „Liebhaber des Lebens“.