Ausgabe: 2010/41, Unter uns, Qualitätssicherung, Paul Stütz
13.10.2010
- Paul Stütz
Seitdem Wiens Bürgermeister Michael Häupl die Bundesheer- und Zivildienstdebatte losgetreten hat, wurden als Reaktion mehr Stimmen Pro als Kontra Wehrpflicht laut. Jüngstes Beispiel: Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler, der am Sonntag verkündete: „Es schadet niemandem, dem Staat zu dienen“. Tatsächlich blendet diese Haltung aus, dass der Staat eine Verantwortung gegenüber den jungen Bürgern hat, die er in die (Wehr-)Pflicht nimmt. Fraglich ist, ob er diese wahrnimmt, indem er Zivildiener zu Dumpinglöhnen im Sozialwesen arbeiten lässt. Der Staat sollte den jungen „Zivis“ zumindest so viel zahlen, dass mann davon leben kann.Es fehlt zudem an einer wirklichen Qualitätssicherung, bei der die Arbeitsbedingungen bei den Zivildienstträgern kontrolliert werden und nötigenfalls Konsequenzen gezogen werden. Schwerer wiegen für mich aber manche Zustände, an die ich mich aus meiner Präsenzdienstzeit erinnern kann. Wieso muss etwa die gesamte Kompanie Soldatenlieder singen, die aus der Wehrmachtszeit (etwa das Panzerlied) stammen und ideolo-gisch höchst fragwürdig sind. Eine Reformkommission, die sich mit der Wehrpflicht auseinander setzt, müsste auch hier ausmisten. Denn manchmal kann es eben doch negative, sprich schädliche Auswirkungen haben, dem Staat zu dienen.