Empörung herrscht in der Pfarre St. Anna in Steyr wegen der Abschiebung der beiden bestens integrierten Komani-Zwillinge Daniela und Dorentina mit ihrem Vater Augustin in den Kosovo. Der Kirchgang am Sonntag wurde zum Ausdruck des Zorns.
Schon beim Hineingehen in die Kirche wird die Abschiebung der beiden Ministrantinnen und ihres Vaters aufgewühlt debattiert. „Wie Schwerverbrecher ...“, regt sich eine Frau über den Einsatz der Polizei-Sondereinheit WEGA auf. „Am Ambo hängt das Plakat zum diözesanen Schwerpunkt „ich war fremd und obdachlos und ihr ...“. Der Zelebrant, Pater Josef Stelzer vom Stift Kremsmünster, spricht an, was die Menschen bewegt: „Wenn wir uns vor Gott versammeln, bringen wir alles mit, was uns dankbar, traurig und wütend macht.“ Traurigkeit und Wut überwiegen an diesem Sonntag in St. Anna. Pater Josef Stelzer weist auf die kritischen Stellungnahmen aus der Kirche zur Abschiebung hin (siehe unter Panorama \"Bischof Schwarz; \"Persönlich sehr betroffen\").
Bestens integriert. Die Ministrantin entzündet eine Jungscharkerze und stellt sie auf den Platz, wo sonst die Familie Komani saß. Nun kann sie nicht mehr dort sitzen. Abgeschoben! Die Familie ist getrennt, die Mutter in einer psychiatrischen Klinik in Wien, weil sie höchst selbstmordgefährdet ist. „Gib der Familie Komani Ruhe und eine sichere Heimat, wo sie sich wohlfühlt“, liest Anton Klingohr eine Fürbitte vor. Seine Stimme versagt ihm dabei fast den Dienst. Am Schluss der Messe ergreift – zum ersten Mal in seinem Pfarr-Dasein – Herbert Sträußelberger das Wort: „Sowohl August als auch Vera haben Schreckliches erlebt und sind nach massiven körperlichen Übergriffen im Jahr 2004 von ihrem Elternhaus im Kosovo mit ihren zweijährigen Zwillingen zu uns geflüchtet. Sie haben Deutsch gelernt, haben sich bei uns bestens eingelebt. Sie sind hier aufgewachsen und zu Hause ... Die hohe Politik hat uns im Stich gelassen.“ Nach der Rede applaudieren viele, etliche kämpfen mit den Tränen. Auf niemanden aus der Politik sind die Pfarrleute von St. Anna gut zu sprechen. Aber besonders Innenministerin Fekter bringt sie in Rage: Würde sie in die Kerze blicken, wie sie für die Familie Komani hier angezündet wurde, würde diese erlöschen. „So eine eisige Herzenskälte ist zum Fürchten“, sagt Herr Sträußelberger und meint: „Ich schäme mich für unser Land!“
Politiker sind für Gesetze verantwortlich. Nach der Messe stehen noch viele vor der Kirche beisammen, machen ihrem Ärger Luft. Auch der Chef der Firma, wo August Komani über drei Jahre gearbeitet hat, ist gekommen. Er erzählt, wie tüchtig Komani war und dass die Fremdenpolizei gekommen ist und Komani fragte, nachdem man ihm die Arbeit weggenommen hatte, was er denn jetzt mache. „Ich habe so viel Böses erlebt“, sagt der Arbeitgeber. Frau Sträußelberger, die den Fachausschuss Caritas leitet, hat auch Schlimmes erlebt in ihrem Ensatz für die Komanis: Der zuständige Beamte am Magistrat Steyr fragte einmal Frau Komani, ob sie gläubig sei. Ja, meinte diese. Sie bete, weil sie solche Angst habe, in den Kosovo abgeschoben zu werden. „Dann“, so der Beamte, „werden wir sehen, wer stärker ist, Ihr Gott oder wir“. „Das ist Christenverfolgung“, wirft ein Mann ein. Und mehrere schimpfen: Die Politiker verstecken sich hinter schlechten Gesetzen, die sie selber gemacht haben.
Einladung
Land der Menschen
Am 15. Oktober 2010 feiert „Land der Menschen OÖ – Aufeinander Zugehen“ das zehnjährige Bestandsjubiläum. Seit seiner Gründung tritt der Verein – Obfrau ist Margit Hauft – mit Projekten und Öffentlichkeitsarbeit für ein gutes Miteinander und gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auf. Wie notwendig das ist, zeigt der oben beschriebene Fall Komani!
Freitag, 15. Oktober, 18 Uhr Hauptplatz Linz u.a. mit Erika Pluhar, Karl M. Sibelius, Jazzwa