„Integrieren – wohin eigentlich?“, fragte UlrichVolmer bei der Diskussion „Obdachlosin Linz“ im URBI@ORBI am 5. Oktober. Und er setzte fort: „Für die meistenunserer Bewohner wartet der erste Arbeitsmarktnicht.“ Volmer leitet den Hartlauerhofder Caritas für Menschen in Not.
Bis zu 14 wohnungslose Männer können amHartlauerhof in Asten bis zu zweieinhalb Jahrewohnen, leben, arbeiten. In der Werkstattbeschäftigen sie sich kreativ, unterstützt vomWerkstattleiter. Ihre Kunstwerke waren schonim öffentlichen Raum zu sehen: Baumskulpturenin Kirchschlag, Skulpturen bei drei Landesgartenschauen,Arbeiten beim Festival derRegionen und für den Gemeindeplatz inAsten. „Ich habe gar nicht gewusst, was in mirsteckt“, meinte einer der Bewohner-Künstler.
Dummes Gerücht. Integrieren wohin? – „Beruf,Job, Pension, Wohnung, Beziehung. Daswird nicht sein. Die Leute sind nicht in derLage“, resümiert Ulrich Volmer. Es sei eindummes Gerücht, dass sie nicht arbeiten wollen.„Sie wollen arbeiten. Und sie können etwas.Aber das entspricht oft nicht dem erstenArbeitsmarkt, der ganz andere Leute ausgrenzt“,sagt Volmer. Es schaudere ihn, wenner an eine Studie denkt, wonach bis zu einemDrittel der arbeitslosen Menschen arm bleibenwerden. „Unsere Bewohner kommenüberwiegend aus dem Armuts-Milieu.“ UndArmut werde an die Kinder weitervererbt.
Kleine Schritte. Wohnen ist für viele zuteuer – Mieten, Betriebskosten. – „Unsere Bewohnerleben mit ca. 760 Euro monatlich ander Armutsgrenze. Manche werden nochdrunter gepfändet. Integration ist da eine Stabilisierungsleistungmit vielen kleinen Schrittenim finanziellen und sozialen Bereich.“ DieMenschen müssen lernen, miteinander klarzukommenund mit ihrem Frust umgehen zulernen. Sie sollten streiten aushalten undnach einem Streit miteinander reden können.Oft gilt es, eine Sucht in den Griff zu bekommen.Wenn die Zeit am Hartlauerhof vorbeiist, bräuchte es, so Volmer, eine Möglichkeitzur Nachbetreuung in weniger intensivemAusmaß. Wichtig wären Beschäftigungsmöglichkeiten,wobei eine berufliche Tätigkeitnur für ein paar Junge noch in Fragekommt. „Die Menschen brauchen eine Aufgabe,die sie wissen lässt, wozu sie am Morgenaufstehen.“
Soziales Netz. Übers Wohnen gelingt es einStück, am sozialen Netz zu knüpfen, das vieleverloren haben. Wenn sie dann Kontakt zuFreunden und Verwandten suchen, ist einigesgelungen. Besonders weite Integrationsschrittehat Julius gemacht – er engagiert sich beider Freiwilligen Feuerwehr. Und Günther hatseit 2000 einen fixen Job. Beide sind zum Tagdes Offenen Ateliers am 16./17. Oktober inden Hartlauerhof gekommen. Sie wissen sichmit den Menschen dort verbunden. Für UlrichVolmer ist es ein Erfolg, wenn sich an soeinem Tag seine Bewohner trauen, mit denGästen zu reden.
Hartlauerhof
Die Mitarbeiter/innen vom Hartlauerhofder Caritas für Menschenin Not freuen sich sehrüber Besucher/innen – Einzelpersonenwie auch Gruppen –,die sich für die Bewohner undihre kreativen Schöpfungen interessieren,für die funktionellenund originellen Holz- und Metallskulpturen,für die Möbel ausWildholz oder Eisenschrott, fürHolzschalen, Nützlingsquartierefür den Garten und vieles mehr.