Wie soll der Weg der Kirche weitergehen? Damit befassen sich am 20. November die Gremien der Diözese. Nach einem Krankenhausaufenthalt nimmt Bischof Dr. Ludwig Schwarz im Interview Stellung – auch zur Frage um einen Weihbischof.
Das Gespräch führte Matthäus Fellinger
Herr Bischof, am 20. November treffen sich die Mitglieder von Pastoralrat, Priesterrat und die Dechanten zum Diözesanforum. Was erwarten Sie sich davon?
Dr. Ludwig Schwarz: Unsere Diözese Linz hat sich schon frühzeitig den Veränderungen gestellt, die sich durch den Wandel von Kirche und Gesellschaft abzeichnen. Wir haben nach einem guten Miteinander von Priestern, Diakonen und Laien gesucht, sodass die Menschen in unserer großen Diözese wirklich Kirche in ihrer Nähe erfahren und ihren Glauben in Gemeinschaft leben können. Dazu haben wir auch ausgebildete Laien und ebenso sind Ehrenamtliche in die Seelsorge verantwortlich mit eingebunden. Wir sind damit nicht allein. In deutschen Bistümern schaut man mit Interesse auf diese Erfahrungen in Linz. Auch die Erzdiözese Wien hat im Zuge ihres „Apostelkonzils“ zu ähnlichen Antworten gefunden. Beim Diözesanforum wollen wir uns noch deutlicher unseres gemeinsamen Zieles bewusst werden. Wir wollen nicht beim Nachtrauern früherer Zustände stehen bleiben, sondern von dem ausgehen, was heute möglich ist – und was Gott uns durch den Heiligen Geist schenkt.
Manche sehen die Kirche in einem Schrumpfungsprozess. Die Zeit der „Volkskirche“ wäre vorbei. Teilen Sie diese Meinung?
Nein. Es mag stimmen, dass es Probleme gibt, dass der Kirchenbesuch mancherorts abnimmt, dass wir weniger Priester haben. Aber zu welcher Zeit hat es so viele aktive Christinnen und Christen gegeben, die selber für das Leben in ihrer Pfarre Mitsorge tragen? Und nach wie vor haben Menschen ein großes soziales Gespür. Das ist doch ein wirkliches Glaubensbekenntnis: wenn Menschen für ihre Nächsten da sind und wenn sie Menschen in Not nicht alleine lassen. Das sollen wir verdeutlichen: dass die Barmherzigkeit für den Nächsten Abbild und Ausdruck der Liebe Christi ist. Denken wir unsere Kirche nicht zu klein. Sie ist das Gefäß, in dem Christus unter den Menschen wohnt.
Sie waren nun drei Wochen im Krankenstand. Wie geht es Ihnen?
Ja, ich war drei Wochen im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien, weil es dort nach einer Sitzung zu einer heftigen Entzündung am Bein gekommen ist. Der Heilungsprozess ging langsam vor sich, ist aber nun abgeschlossen und ich kann meine Aufgaben in der Diözese wieder wahrnehmen. Ich danke allen, die für mich gebetet haben, mich besucht haben und die auch schriftlich ihre Verbundenheit zum Ausdruck brachten. Ich fühle mich jetzt wieder wohl und bin gerne in die Diözese Linz zurückgekehrt. In diesen Wochen im Spital ist mir wieder deutlich bewusst geworden, wie wichtig die liebevolle Zuwendung zu den kranken und leidenden Menschen ist, gemäß dem Wort des Herrn: Ich war krank und ihr habt mich besucht und gepflegt.
Während Ihrer Erkrankung wurde berichtet, Rom hätte das Ansuchen um einen Weihbischof abgelehnt. Stimmt es?
An dieser Aussage ist kein Wort wahr. Rom hat mir nie eine definitive Absage diesbezüglich erteilt. Wohl ist zu sagen, dass es vor zwei Monaten einen Wechsel in der Leitung der Kongregation für die Bischöfe gegeben hat. Kardinal Giovanni Re ging in Pension und Papst Benedikt XVI. hat im Herbst einen Nachfolger bestellt in der Person des Erz-bischofs von Quebec in Kanada, Kardinal Marc Ouellet. Dieser neue Präfekt der Kongregation braucht eine Zeit des Einarbeitens und der Orientierung in dieser neuen Materie. Ich ersuche, dieses wichtige Anliegen auch weiterhin im Gebet vor Gott hinzutragen.
STICHWORT
Diözesanforum
Im Normalfall tagen Dechantenkonferenz, Priesterrat und der Pastoralrat zwei Mal jährlich jeweils für sich. Bei besonders wichtigen Fragestellungen tagen sie gemeinsam. Am 3. März 2007 tagte das Forum unter dem Titel „Den Wandel gestalten“. Jetzt soll dieser Prozess zu konkreten Ergebnissen führen. Am 13. März 2004 fand eine gemeinsame Versammlung statt, um die Erfahrungen der damals erstmals eingesetzten Seelsorgeteams zu erörtern. In jeder zwölften Pfarre arbeitet in Oberösterreich bereits ein Seelsorgeteam.