Pfarrer Josef Grafeneder hat am 26. November 2010 das Münzbacher Heimatbuch präsentiert. Der Autor des umfangreichen Werks steht beim Grabdenkmal (Kenotaph) von Graf Joachim Enzmilner, das sich in der nördlichen Fensternische der Münzbacher Kirche befindet. Enzmilner, der „zweite Gründer von Münzbach“, ist in spanischer Hoftracht, der vornehmsten Kleidung zur damaligen Zeit, und mit Rosenkranz dargestellt.
Pfarrer Josef Grafeneder hat sich als Literat und Historiker im Mühlviertel und darüber hinaus einen Namen gemacht. Zum 900-Jahr-Jubiläum von Münzbach schuf er sein bisher umfangreichstes Werk: Auf 584 Seiten stellt er Geschichte und Gegenwart von Pfarre und Gemeinde vor.
Dass man über die Mühlviertler Landgemeinde Münzbach einen solchen Wälzer schreiben kann, liegt vor allem an Graf Joachim Enzmilner. Dieser erwarb 1636 die Herrschaft Windhaag bei Perg, ein Nachbarort Münzbachs, und drückte beiden Orten seinen Stempel auf. Enzmilner (1600 bei Augsburg geboren) war als Jurist für die Oberösterreichischen Stände tätig. Ab den 1630er Jahren tat er sich in verschiedenen Gremien bei der Umsetzung der Gegenreformation hervor und gelangte dabei zu beträchtlichem Reichtum und Ehrenstellungen. Jahrelang war er als „Reformationskommissär“ in Niederösterreich tätig und gemeinsam mit dem Abt von Altenburg für die Rekatholisierung des Landes zuständig, wobei er auch vor Zwang und Gewalt nicht zurückscheute. Der Graf war jedenfalls eine führende Persönlichkeit im heutigen Ober- und Niederösterreich – auch des religiösen Lebens. So holte er Dominikaner-Patres zur Seelsorge nach Münzbach und errichtete ihnen ein Kloster (1662), in dem bis zu zwölf Ordensleute lebten (Aufhebung in josephinischer Zeit 1783). Münzbach wurde auch ein Zentrum der dominikanischen Rosenkranzbruderschaft, der 50.000 Mitglieder angehörten. 1641 stiftete Enzmilner in Münzbach das katholische Alumnat, ein Gymnasium, das Burschen auf die Beamtenlaufbahn oder das Priestertum vorbereiten sollte. Bis 1783 konnten jeweils zwölf Schüler – dank der Stiftung des Grafen – in Münzbach das Gymnasium besuchen.
Gestapo-Akten im Pfarrhof. Weniger nachhaltig als das Engagement des Grafen Enzmilner, aber doch in der Geschichte von Münzbach herausragend, sind die letzten Wochen des zweiten Weltkriegs. Kistenweise wurden vom Gestapo-Hauptquartier in Wien Ordner mit Akten nach Münzbach gebracht und im Dachboden des Pfarrhofs gelagert. Ernst Kaltenbrunner, der Chef des Reichssicherheitshauptamts und damit Leiter der gefürchteten Sicherheitsdienste, ist persönlich nach Münzbach gekommen und hat die Verbrennung der Unterlagen angeordnet. Erst vor wenigen Jahren ließ Pfarrer Grafeneder an die 500 leere Ordner, die am Dachboden zurückgeblieben waren, vernichten.
Helfende Hände. Seit Josef Grafeneder 1990 als Pfarrer nach Münzbach kam, begann er sich mit seinem neuen Heimatort zu beschäftigen. Ob Geschichte oder Geschichten, Vogelwelt, Sagen oder Erzählungen von alteingesessenen Münzbachern – der Pfarrer hat geforscht, gesammelt und aufgezeichnet. Die letzten zwei Jahre hat er sogar seinen Urlaub für die Arbeit an der Ortsgeschichte verwendet. Damit sie am 26. November rechtzeitig zum Gedenkjahr 2011 erscheinen konnte. In einer Urkunde vom 23. August 1111 findet sich zum ersten Mal der Name Münzbach. Pfarrer Grafeneder will sich aber nicht mit fremden Federn schmücken. Er weist auf mehrere schriftliche Vorarbeiten hin, auf die er zurückgreifen konnte. Und er dankt allen, die ihm bei der Recherche und der Texterfassung zur Hand gegangen sind.