Adventzeit ist eine Zeit des Wettkampfes. Die gängigsten Disziplinen: Wer spielt die nervigste Weihnachtsmusik im Radio, wer macht das beste Schnäppchen im Geschäft oder wer schafft den billigsten Rausch am Punschstand.In großer Konkurrenz stehen natürlich auch die Hilfsorganisationen. In meinem Briefkas-ten liegt fast täglich ein Bettelbrief. Viele mit alarmierenden Botschaften. Der Eindruck wird erweckt, dass ich höchstpersönlich am Aussterben von fünf verschiedenen Tierarten oder an sämtlichen gewaltsamen Konflikten im afrikanischen Kontinent Schuld bin, wenn ich nicht spende. Die Schreiber wissen offenbar, dass ich schnell ein schlechtes Gewissen bekomme. Ich gebe meine Geld trotzdem anderen Hilfsorganisationen, die weniger dick auftragen. Wobei ich mich jetzt bequem bei der wohl beliebtesten Sache im Advent ins Spiel gebracht habe: die eigene Spendenfreudigkeit hervorzuheben. Vor allem manche Firmen legen die alte PR-Weisheit „Gutes tun und darüber reden“ so aus, dass jede noch so kleine Spende auf einem Foto mit einem symbolischen Riesenscheck dargestellt werden muss. In der Summe wird das im Advent sehr nervig. Wo zu viel Eigenlob im Spiel ist, entsteht leicht der Eindruck, dass diese Form der Barmherzigkeit nur Show ist.