Der Internist am Klinikum Wels-Grieskirchen, Primar Dr. Josef Thaler, ist seit Sommer 2010 Präsident der Krebshilfe OÖ. Mit der KirchenZeitung spricht er über Krebs, Weihnachten, Angst vor der Diagnose, Hadern und Heilungschancen. Die Österreichische Krebshilfe feierte am 20. Dezember in Wien das 100-Jahr-Jubiläum.
Ist Weihnachten ein schwieriges Datum für Menschen mit schwerer Krankheit? Primar Dr. Josef Thaler: Es ist eine besondere Belastung, wenn Patienten diese Zeit im Krankenhaus verbringen müssen. Wir versuchen, die Therapien so zu planen, dass die Patienten die Feiertage daheim sein können. Müssen sie aber im Spital bleiben, ist es wichtig, dass die Familie und Freunde kommen.
Die Diagnose Krebs ist extrem mit der Angst der Unheilbarkeit belegt. Wie steht es wirklich um die Heilungschancen? Thaler: Wir können heute mehr als 50 Prozent der Krebspatienten heilen. Es gibt Krebserkrankungen, die in einem bestimmten Stadium über 95 Prozent heilbar sind.
Kann man krebsvermeidend leben? Thaler: Krebs ist auch bei gesündester Lebensweise nicht verhinderbar. Aber es gibt begüns-tigende Faktoren: Rauchen etwa, bestimmte Infektionen, fettreiche Ernährung, wenig Bewegung. Krebs ist mit dem Leben verbunden.
Und Stress? Thaler: Stress ist weniger gut belegt.
Ist Krebs eine Krankheit unserer Zivilisation? Thaler: Krebs gibt es seit tausenden Jahren. In unserer westlichen Welt erkrankt jeder dritte Mensch an Krebs, jeder vierte stirbt daran. Krebs ist eine Erkrankung des höheren Alters. Die große Zahl der Krebserkrankungen tritt jenseits von 50 Jahren auf. Das höhere Krebs-Risiko im Alter hängt mit der Biologie des Menschen zusammen: Ohne Mutationen gäbe es keine Evolution und uns Menschen nicht. Unser Körper erneuert sich laufend. Bei jeder Zellteilung wird Erbinformation verdoppelt, dabei passieren manchmal Fehler. Für mich ist es ein großes Wunder, dass sich die DNS täglich viele Milliarden Mal verdoppelt und dabei so wenig Fehler passieren.
Oft hört man, positives Denken erhöhe die Chancen. Und Hadern verringere sie. Thaler: Wenn man sich gegen eine Therapie entscheidet, senkt das die Heilungschance. Aber ein gewisses Hadern – warum gerade ich? –, ein Hinterfragen und Kämpfen ist eine gesunde Reaktion. Viele Bücher und auch Angehörige fordern zum positiven Denken auf. Hier sehe ich ein Problem: Der Zwang zum positiven Denken blockiert den natürlichen Verarbeitungsprozess. Er wirkt sich vor allem dann problematisch aus, wenn der Verlauf nicht so ist, wie man sich das wünscht. Dann grübelt der Mensch: Habe ich zu wenig positiv gedacht? Es gibt keinen Beweis, dass allein durch positives Denken die Heilungsrate verbessert wird. Allerdings: Ein fundierter Glaube, psychotherapeutische Begleitung und Begleitung durch Familie und Freunde sind hilfreich im Sinne, dass es diesen Menschen leichter gelingt, ein schwieriges Schicksal annehmen zu können.
Krebshilfe
Am 17. Dezember 1910 wurde die „k.u.k. Gesellschaft zur Er-forschung und Bekämpfung der Krebskrankheit“ gegründet. Die Österreichische Krebshilfe feierte heuer am 20. Dezember dieses Jubiläum mit einer Gala in Wien. Die Österreichische Krebshilfe mit Landesvereinen in allen Bundesländern hat drei Auf-gaben: Kostenlose Unterstützung und Beratung von Krebspatienten und Angehörigen – medizinisch, psychologisch und psychotherapeutisch. – Dazu gibt es in allen Bezirken Beratungsstellen. Information der Bevölkerung im Sinne von Vorsorge und Früherkennung. Unterstützung der Forschung.