Integration ist ein gegenseitiger Prozess, sagt Belmir Zec, Integrationsbeauftragter und Leiter des Integrationsbüros der Landeshauptstadt Linz, wo ungefähr ein Viertel der Bevölkerung migrantischen Hintergrund hat. Integration im Sinne einer „Stadt der Kulturen“ nennt Zec eine Bereicherung für alle.
Wie groß ist der Anteil der Migrantinnen und Migranten in Linz? Mag. Belmir Zec: Etwas mehr als 14 Prozent der Bevölkerung sind Migrantinnen und Migranten. Zählt man jene dazu, die schon länger hier sind und migrantischen Hintergrund haben, werden es 25 Prozent sein.
Wann hört jemand auf, Migrant/in zu sein? Ich betrachte alle, die hier geboren sind, und alle, die die österreichische Staatsbürgerschaft haben, als Österreicher. Integration aber endet nicht mit der Staatsbürgerschaft.
Aus wie vielen Kulturen und Ländern kommen die Menschen, welche Nationen sind am stärksten vertreten? Es sind mehr als 140 Nationen. Die zahlenmäßig stärkste Gruppe sind die Bosnier, gefolgt von den Türken, Serben, Kroaten, Albanern. Am zweiten Platz wären eigentlich die Deutschen, aber sie werden nicht wirklich als Migrant/innen wahrgenommen.
Linz hat letzte Woche unter dem Motto „Stadt der Kulturen“ die Förderpreise für integrative Kulturarbeit 2010 verliehen. Welches Ziel verfolgt der Preis? Heuer lag der Schwerpunkt auf dem Thema „Annäherung der Kulturen“. Es wurden auch Projekte in Kindergärten, Horten und Schulen und künstlerische Projekte ausgezeichnet.
Was sind die großen Themen der Integration und des multikulturellen Zusammenlebens, mit denen das Integrationsbüro befasst ist? Das ist unterschiedlich. Es können heute Fragen aus der Arbeitswelt und die Arbeitslosigkeit sein und morgen stehen Fragen des Aufenthalts im Vordergrund. Die Themen der Gesellschaft sind die Themen der Integration. Bildung steht da derzeit ganz weit oben.
Es wird Bereiche geben, in denen noch vieles für ein gutes Zusammenleben offen ist. Unser Anliegen ist, dass die Probleme durch Dialog gelöst werden. Wir machen Projekte sichtbar, die zeigen, wie die Zukunft gemeinsam gestaltet werden kann.
Was sagen Sie zur Aufregung, dass in manchen Schulen zu viele Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache sind? Der Begriff ist schon das Problem. Ich nenne diese Kinder nicht „Kinder mit nicht deutscher Muttersprache“ sondern Kinder mit zwei Sprachen. Leider hat die Gesellschaft diesen Reichtum der Zweisprachigkeit noch nicht erkannt. Statt zu schätzen, dass dies einen Prozess des Lernens beim gemeinsamen Tun ermöglicht, sehen viele nur Probleme. In einem gut ausgestatteten Bildungssystem dürfte das aber keine Probleme geben.
Bei der Preisverleihung lobten Betroffene die Integrations-Bemühungen der Stadt Linz. Es gibt aber auch andere Erfahrungen. Etwa, dass Migrant/innen der Zutritt zu bestimmten Lokalen verwehrt wird. Natürlich gibt es überall Menschen, die Schwierigkeiten haben, mit Menschen aus anderen Kulturen Umgang zu pflegen. Aber schauen sie zum Beispiel auf den Linzer Hauptplatz: Vielfalt ist ganz normal. Und es geht nur über Dialog.
Wie würden sie Integration beschreiben? Die Migranten haben etwas aus ihren Kulturen in die Gesellschaft eingebracht und die einheimische Kultur hat sich weiterentwickelt. Integration ist ein gegenseitiger Prozess. Es geht darum, beide Seiten zu verstehen. Das ist schön und bereichert alle.